Destroyer - Kaputt - Cover
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Destroyer Kaputt


  • Label: Dead Oceans/CARGO
  • Laufzeit: 50 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Anfänge der Band Destroyer liegen nun schon 15 Jahre zurück. Eine Zeit, in der Frontmann Dan Bejar acht Alben sowie mehrere Eps veröffentlichte und nebenbei noch an weiteren, bekannten Bands beteiligt ist. An dieser Stelle muss der Autor dieser Zeilen zugeben, sich mit noch keinem einzigen der acht Vorgängeralben von „Kaputt“ beschäftigt zu haben. Auch die Nebenprojekte von Bejar, The New Pornographers und Swan Lake, blieben bislang ungehört. Doch eigentlich ist dies auch gar nicht nötig, um an „Kaputt“ gefallen zu finden. Möglicherweise ist es sogar besser, bisher nicht mit Bejars Musik in Kontakt gekommen zu sein, bedenkt man, dass diese bislang mit „Folk“, „Chamber-Pop“ und „Glam-Rock“ in Verbindung gebracht wurde und „Kaputt“ somit Fans mit „falschen“ Erwartungen durchaus abschrecken könnte. Schließlich ist das neunte Album Destroyers eher ein Höhenflug in die Wolken des 80er Softrocks, angereichert mit Discobeats, New Wave und einer unheimlich smoothen Jazz-Bläsersektion.

Dieser Ansatz wird in einer Art serviert, bei der man sich zunächst noch fragt, ob die Musik nicht mit Absicht ironisch überzeichnet worden ist: Wässrige Gitarren und verführerische Synthies untermalen „Chinatown“, das Schlagzeug erzeugt einen lockeren Beat, Bejar singt weniger als dass er lässig und aufreizend seine Lyrics auf den Hörer niederlässt, ein hallendes Saxophon setzt ein. Das alles präsentiert sich mit luftiger, verträumter Leichtigkeit. Die ersten drei Songs führen vorsichtig in „Kaputt“ ein, öffnen langsam die rotfarbenen Vorhänge und geben die Bühne frei für den großen Moment „Suicide Demo for Kara Walker“. Der Song nimmt sich für sein berauschendes Intro mit Gitarren, Synthies und Flöte zwei Minuten Zeit, bevor Schlagzeug und Gesang einsetzen und gipfelt schließlich mit Flöte und Trompete in einem Solofinale. Die Instrumente wurden perfekt aufeinander abgestimmt: So können die Bläser wie hier die führende Hand übernehmen, aber auch mal Bejars Gesang einfach nur unterstützen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Synthies bleiben meist leise schwingend im Hintergrund und vermischen sich mit den geisterhaften Gitarren. Somit trägt auch die ausgefeilte Produktion einen immensen Teil zu der besonders hohen Qualität dieser 50 Minuten bei. „Bay of Pigs (Detail)“ überschreitet schließlich die 10-Minuten-Marke: Der Song beginnt mit ambienten Tönen, die mehrere Minuten lediglich den Gesang untermalen, nur um sich nach etlichen Umwegen doch noch am Stil des restlichen Album zu orientieren und somit den gebührenden, ausufernden Abschluss zu bilden.

„Kaputt“ ist an Sexyness kaum zu überbieten. Zugegeben, man muss das Album aus heutiger Sicht möglicherweise mit einem gewissen Augenzwinkern auffassen. Doch wenn bei „Blue Eyes“ die verkorksten Synthies einsetzen, Dan Bejar seinen belegten Gesang darüber legt und anschließend die hallende Trompete und das Saxophon sowie die weibliche Gesangsbegleitung hinzu kommen, dann ist das Verführung pur. Auch wenn es in den Lyrics vielleicht um etwas ganz anderes geht. „Kaputt“ bleibt stehts nüchtern melancholisch, tanzt einsam lasziv in der Dunkelheit durch graue Nebelschwaden und zieht das Rampenlicht doch nie zu sehr auf sich. Trotz all der oberflächlich gehörten Nachlässigkeit stimmt auf Destroyers Album einfach alles: Knackige Popsongs („Chinatown“, „Blue Eyes“, „Song For America“) wechseln sich mit langen Experimenten („Suicide Demo for Kara Walker“, „Bay of Pigs (Detail)“), jazzige Ansätze stehen gleichberechtigt und auf Augenhöhe mit eingängigen Melodien. Destroyer lassen ihre Songs gehen und halten sie doch stehts in gewisser Distanz an der Leine. Jede noch so improvisiert wirkende, ausschweifende Minute fügt sich in Wahrheit in das ausgefeilte Songwriting. Irgendwie witzig und tragisch zugleich ist „Kaputt“ ein Album, so sonderbar, dass es alleine schon für seinen Softporno-Style gehört werden sollte, aber mit Sicherheit nicht jedem gefallen wird.

Anspieltipps:

  • Chinatown
  • Blue Eyes
  • Suicide Demo for Kara Walker
  • Kaputt

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