Decapitated - Carnival Is Forever - Cover
Große Ansicht

Decapitated Carnival Is Forever


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein durchgehend kompromissloses Werk legen Waclav und seine Streitkräfte mit „Carnival Is Forever“ nicht vor.

Am 29. Oktober 2007 erschüttert ein folgenschwerer Autounfall die Metal-Gemeinde: Der Tourbus der polnischen Death Metal-Truppe Decapitated kollidiert mit einem Lastwagen, sowohl Sänger Adrian Kowanek und Drummer Witold Kieltyka erleiden schwere Schädelverletzungen, denen Witold einige Tage später erliegt, während Adrian ins Koma fällt. Vier Jahre später ist das Unglück noch immer nicht überwunden. Kowanek ist zwar mittlerweile genesen, aber die Lücke, die der damals erst 23jährige Kieltyka hinterlassen hat, wird sich niemals schließen lassen. Sein Bruder Waclav (Gitarre) hat sich nun nach Jahren der Trauer dazu entschlossen Decapitated mit neuer Besetzung (Rafal Piotrowski (Gesang), Filip Halucha (Bass) und Kerim Lechner am Schlagzeug) weiterzuführen, was mit „Carnival Is Forever“ zum fünften Album der Polen führt.

Wer befürchtet hat, dass der überaus technische Death Metal damit der Vergangenheit angehört, der irrt. Schon „The knife“ knüppelt in offbeatlastigen Sphären umher, die der handelsübliche Todesbleikram nicht im Ansatz erreicht. Das Riff- und Doublebassinferno von Waclav und Kerim sorgt auf „Carnival Is Forever“ jedenfalls des öfteren für saftige Maulsperren, was nicht nur am herrlich-organischen Mix von Daniel Bergstrand (In Flames, Behemoth) liegt, der besonderes Augenmerk auf die Drumparts gelegt hat, die in Stücken wie „United“ oder „Homo sum“ besonders gut zur Geltung kommen und so jeden Decapitated-Fan unweigerlich zu sabbernden Bettnässern verkommen lassen, sondern auch am gordischen Songwriting, dessen Knoten es erst nach und nach zu entwirren gilt.

Oftmals fühlt man sich zwar an den rhythmusbetonten Wahnsinn eines Meshuggah-Outputs erinnert („404“) oder wird schlicht und ergreifend von der Wucht der Instrumente erdrückt („United“), doch mit dem völlig gegenläufigen Abschluss „Silence“ und einem ähnlich agierenden Zupfpart im Titeltrack gibt es noch einige Überraschungen inmitten des bekannten Decapitated-Kosmos zu entdecken, die sich nicht auf stures Gegen-die-Wand-laufen beschränken („Pest“). Ein durchgehend kompromissloses Werk legen Waclav und seine Streitkräfte mit „Carnival Is Forever“ zwar noch nicht vor, doch die Jungs bilden schon jetzt ein massives Fundament, das nur darauf wartet kommende Großtaten in Empfang zu nehmen.

Anspieltipps:

  • The Knife
  • Homo Sum
  • A View From A Hole

Neue Kritiken im Genre „Death Metal“
Diskutiere über „Decapitated“
comments powered by Disqus