Urlaub In Polen - Boldstriker - Cover
Große Ansicht

Urlaub In Polen Boldstriker


  • Label: Strange Ways/INDIGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Urlaub in Polen klingt für viele nicht gerade nach Exotik. Wer die unberührten Flecke des Landes oder die gleichnamige Band allerdings schon kennen gelernt hat, der wird ganz anders urteilen. Wir lassen die saftigen Wiesen und reißenden Flüsse im Nachbarland zunächst außen vor und kümmern uns um das wohl letzte Album von Georg Brenner und Philipp Janzen. Auf „Boldstriker“ wird ein letztes Mal alles von Groove über Space bis Progressiv ausprobiert und zusammengefügt, wie es dem Duo gerade passt.

Erstaunlich abgeklärt klingt der Auftakt des Albums und die gewohnt raue Seite der Beiden zeigt sich weniger, als ihre Liebe zu voranschreitendem Rhythmus. Bässe und Schlagzeug wummern und auch Gitarren kreischen ungebändigt aus den Boxen, aber das vermeintliche Chaos klingt zu jedem Zeitpunkt kontrolliert, fast routiniert. Vorweg genommen sei gesagt, dass allein in „Rebel And Waste“ der Anschein von schwitzendem, ehrlichem Rock entsteht. Ansonsten geben sich Urlaub in Polen sphärisch, abgehoben oder „majestätisch“, wie es im PR-Text heißt. „Lore-Ley 1“ ist der erste und beste Beweis des Albums für diese Behauptung. Jeder Beat sitzt und die verdrehten Spielereien sind nicht mehr als eben das: Spielereien.

Zum Abschalten und den Kopf frei kriegen ist diese eingängige Musik voller kleiner Einschübe genau richtig. Die Lieder rauschen nur so an einem vorbei. Wer meint, dass es sich deswegen um Fahrstuhlmusik handelt, liegt falsch. Auch wenn die Instrumental-Stücke „Oh Beo, Where Art Thou?“ und „6000FT Beyond Man And Time“ keiner weiteren Beachtung bedürfen, kann man sich im restlichen Material des Albums verlieren, wenn man nur will. Die Ideen sind da und versteckt in den eingängigen Strukturen. Besonders wenn Space-Rock vorherrschend ist – und er ist zumindest immer präsent – darf man sich in kleinen Details suhlen, die zwar nicht weltbewegend, aber für Musik-Philahntropen unterhaltsam sein dürften.

Ansonsten ist der Abschied des Duos sehr unspektakulär. Sie tun alles, wofür Fans sie mögen, aber arbeiten sie in ihren Stil so wenige Überraschungen, dass man kaum noch zu erkennen meint, was das neue Album eigentlich Neues gebracht hat. Nach dem sanften, unscheinbaren Ausklang von „Lore-Ley 2“ ist man sich nicht sicher, ob man wirklich die ganze Zeit zugehört hat. Zu unscheinbar geben sich die meisten der Lieder und drängen sich in keiner Weise auf. Bei vielen Ohren wird diese Musik also doch zu einer Art Fahrstuhlbegleitung werden. Verschenkt, aber vorherzusehen.

Anspieltipps:

  • Boldstriker
  • Rebel And Waste
  • Lore-Ley I

Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
Diskutiere über „Urlaub In Polen“
comments powered by Disqus