Dream Theater - A Dramatic Turn Of Events - Cover
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Dream Theater A Dramatic Turn Of Events


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 77 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist ein solides Album, ja, aber es bietet wirklich gar nichts Neues.

„A Dramatic Turn Of Events“ ist eingetreten als der Bandmitbegründer, Songschreiber und allem voran Übertrommler Mike Portnoy im letzten September aus der Band ausgestiegen ist. Er wollte eine Kreativpause einlegen, doch die restlichen Bandmitglieder waren einer anderen Meinung. So entstand die einzigartige Chance die Musik von Dream Theater durch ein neues Mitglied aufzufrischen, neuen Auftrieb einzufangen für das DT-Flugzeug auf dem Cover. Denn das letzte Album „Black Clouds & Silver Linings“ hat der Probierfreudigkeit der New Yorker ein Ende gesetzt. Heraus kam ein Prog-Rock/Metal-Hybrid ohne in eine spezielle Richtung zu tendieren, sehr gute aber auch mit älteren austauschbare Songs. Trotzdem wurde es begeistert aufgenommen, vielleicht erwarten die meisten Fans also genau dies vom Traumtheater. Aber, hier kommen wir zur eigentlichen Problematik jeder Band, jedem kann und soll man es auch nicht recht machen, wo bliebe sonst die künstlerische Integrität und Unabhängigkeit der Musiker.

Anstatt also die breitgetretenen musikalischen Pfade durch die Aufnahme von Marco Minnemann als Schlagzeuger zu verlassen (siehe auch die medienwirksame Dokumentation DT sucht den Superschlagzeuger), entschieden sich die verbliebenen Mitglieder für Mike Mangini, der unbestreitbar ein toller Trommler ist, aber wie der Vorname schon hinweisen mag leider auch ein Mike-Portnoy-Klon. Wer also diese ganze Geschichte nicht mitbekommen hat, dem wird beim Hören der CD wohl nicht mal auffallen, dass jemand anderes am Slagwerk sitzt, wie die Holländer sagen. Zu seiner Verteidigung ist noch anzubringen, dass Mangini keine Note des Albums mitkomponiert hat, also quasi genötigt wird den Klon zu spielen.

Wurde die Chance auf eine Veränderung also vertan? Ja, denn bereits beim Einstieg „On The Backs Of Angels“ ist alles beim Alten, typischer Anfang, bekannte Gitarrenriffs, gewohntes Keyboardgeplänkel, dazu eine Brise Pathos und schon haben wir einen DT-Song wie es ihn schon mindestens zehnmal gibt. Nach einem weiteren Song, der eher einem LaBrie Soloalbum entsprungen sein könnte, folgt das erste erwähnenswerte Stück „Lost Not Forgotten“, das von übelstem Gefrickel über fette Riffs bis zu einem melodischen Chorus so ziemlich alles beinhaltet. Auch hier nix wirklich Neues, aber nett. Auf „Bridges In The Sky“ trifft die gleiche Beschreibung zu, mit dem Unterschied, dass es der einzige wirklich überzeugende Track ist.

Wenn etwas Spaß macht auf diesem Album, dann ist das die Gitarrenarbeit von Petrucci mit einigen tiefen und groovenden Riffs wie in „Outcry“, auf der anderen Seite sind aber wenige Soli zu verzeichnen, eins der schöneren und gefühlvolleren in „Breaking All Illusions“. Täuscht alles nicht darüber hinweg, dass vieles auf dem Album nur durchschnittlich ist, jedenfalls für die Verhältnisse dieser Band. Bei drei Balladen ist eine ein Totalausfall und nur eine wirklich interessant, nämlich wenn das Album schon eigentlich vorbei ist und DT sich etwas über den Tellerrand hinaus wagen. „Beneath The Surface“ soll so etwas wie der Abspann bei einem Film sein und das Album klimatisch abschließen, nur was soll man davon halten, wenn der Abspann interessanter ist als der eigentliche Film?

Oft stellt sich die Frage wieso so technisch versierte Musiker ständig ähnliche Strukturen rauf und runter spielen? Virtuosität ist doch nicht gleichbedeutend mit dem Tod an Kreativität?! Vielleicht aber für die fehlende emotionale Tiefe verantwortlich? Sie konnten das alles mal vereinen, man denke zurück an die Übersongs „Octavarium“ oder „A Change Of Seasons“. „A Dramatic Turn Of Events“ kann hingegen außer eingeschworene DT-Fans und „Nur Prog-Metal Hörer“ wahrlich niemanden vom Hocker hauen. Klar sind Dream Theater Meister ihres Fachs, aber irgendwann hat sogar ein Mathefeind eine komplexe Formel durchschaut, denn es bleibt nur eine Formel. Was bleibt, ist eine Band, die gefangen ist in künstlicher Komplexität. Daher ist es an der Zeit mit den Überbewertungen aufzuhören. Es ist ein solides Album, ja, aber es bietet wirklich gar nichts Neues.

Anspieltipps:

  • Bridges In The Sky
  • Lost Not Forgotten
  • Beneath The Surface

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