Tingvall Trio - Vägen - Cover
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Tingvall Trio Vägen


  • Label: Skip Records
  • Laufzeit: 52 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Tingvall Trio hat wieder mal ein beeindruckendes, rundum gelungenes Album hervorgebracht.

Die Wahlhamburger kehren mit breiter Brust zurück in die Läden und bald auch auf die Bühnen dieser Welt. Letztes Jahr haben sie den Jazz-Echo als „Ensemble des Jahres national“ gewonnen und sich längst als Einstiegsdroge in den Jazz etabliert. Nun präsentieren sie ihr neues, viertes Album „Vägen“, auf dem alle Kompositionen einmal mehr vom Pianisten Martin Tingvall stammen, der mit einem unglaublichen Talent gesegnet ist. Es reicht den ersten Track „Sevilla“ anzuspielen, um zu hören, was das Trio so positiv auszeichnet, wie sie den Spagat zwischen verzaubernden sanften Melodien und rockigen Akzenten meistern und wie perfekt sie miteinander harmonieren.

Der hervorragende Vorgänger „Vattensaga“ war gespickt mit poppigen Melodien, die sich dem Hörer geradezu aufdrängten. „Vägen“ hingegen bringt eine mehr lyrische und nachdenkliche Seite zum Vorschein, mit dezenteren Melodien. Es klingt nach einer Rekapitulation des bisherigen Weges der Band, eine Vertonung wichtiger Erinnerungen und besonderer Momente, die immer mit gewissen Gefühlen verbunden waren. Egal ob aufbrausend, ausgelassen oder in sich gekehrt, all das findet sich auf „Vägen“ wieder und zwar in einer symmetrischen Anordnung der Songs, wenn das Album in der Mitte geteilt wird.

Die zwei mittig platzierten ruhigsten Songs des Albums werden flankiert von den zwei auffälligsten und lautesten, nämlich „Tuc-Tuc Man“ und „Shejk Schröder“. Der Alltag eines Tuc-Tuc Fahrers ist schon anstrengend, bedenkt man das Chaos auf den Straßen asiatischer Metropolen, den allgegenwärtigen Lärm und Gestank, das ständig auf der Hut sein, sich in jede noch so kleine Lücke rein zu quetschen und dabei Hupkonzerte ohne Ende zu ertragen. All das verkörpert das schnelle und chaotische „Tuc-Tuc Man“, welches viel Improvisation beinhaltet, aber auch kleine Melodiebögen nicht vergisst. Hier zeigt das Trio, wozu es imstande ist, wenn alle Konventionen über Bord geworfen werden, besonders live kommt das zum Tragen.

Während die ersten drei Songs des Albums sehr ausgelassen und fröhlich daherkommen, das Hier und Jetzt genießen, widmen sich die letzten drei auf eine nachdenkliche Art bestimmten Zeitspannen und sind von einer unvergesslichen zarten Schönheit. „Tidevarv“ zeichnet sich durch ein leicht mysteriöses, tiefes Motiv aus, das immer wiederkehrt und im Kontrast zu dem restlichen leicht dahin schwingenden Klaviertönen steht. „Vaggvisa/Morgon“ zelebriert den Weg der Sonne hinter den Horizont und wieder zurück und „Efter Livet“ bildet den sehr gefühlvollen Abschluss der Platte über den Weg ins Jenseits. Dieser Song über den Abschnitt nach dem Tod wurde sogar mit Streichern und Hörnern vertont, wodurch eine sagenhafte Atmosphäre entsteht.

Das Tingvall Trio hat wieder mal ein beeindruckendes, rundum gelungenes Album hervorgebracht, welches „den Weg“ als Leitfaden benutzt. Sollte jemand Stadt, Land, Fluss spielen und eine Kategorie ist rein zufällig Name einer Jazzband, bitte für den Buchstaben T unbedingt Tingvall Trio merken - bringt viele Punkte!

Anspieltipps:

  • Sevilla
  • Tidevarv
  • Efter Livet
  • Tuc-Tuc Man
  • Vaggvisa/Morgon

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