Anstatt Blumen - Raus - Cover
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Anstatt Blumen Raus


  • Label: Bendit Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ach, war die Enttäuschung groß, als die einstige Rettung des deutschen Pops mit dem letzten Album von Polarkreis 18 wie eine Seifenblase zerplatzte. Bis auf die hervorragenden „Frei“ und „Elegie“ dümpelte das Album „Frei“ im Mittelmaß vor sich hin. Wo waren die großen Hymnen und die anspruchsvollen, aber massenkompatiblen Melodien hin? Doch Heureka: Nach dem auch Das Gezeichnete Ich nicht über die volle Laufzeit des Debüts begeistern konnte, versucht sich eine neue Gruppe und gibt zum Auftakt zumindest süße Hoffnung. Der Name reiht sich brav bei all den vorigen merkwürdigen Kreationen ein: Anstatt Blumen.

Schon unter anderen Namen haben Lilli Born (Gesang) und Martin Rott (Gesang, Komponist) ihre gemeinsame Erfahrungen als studierte Musiker ausprobiert und gemerkt, dass die intimen, akustischen Töne den Fans besser gefallen. Da verwundert der Auftakt „Raus“ des gleichnamigen Albums. Akustisch? Ja. Orchestral? Auf jeden Fall! Und damit nicht wirklich intim. Die Ideen für ein halbes Dutzend Popsongs verstecken sich im grandiosen Opener, der verständlicherweise nicht als Vorab-Single genutzt wurde. Nicht wenige Hörer wären bei dieser Glanzleistung überfordert. Im Radio kann man sich so eine vielschichtige Nummer (leider) gar nicht mehr vorstellen.

Der Opener allein könnte diese Kritik ausfüllen und ist somit Segen und Fluch zugleich für dieses Album. „Raus“ ist textlich stark, vielschichtig, hat immer noch Ohrwurm-Potenzial und überzeugt spätestens mit waschechten Orchester-Einlagen, die den Pop für einen Moment vergessen machen und den Hörer in ganz neue Dimensionen entlässt. „Raus“ muss man selbst gehört haben und danach erwartet man von der Band einfach zu viel. Es ist wie der erste Roman eines jungen Autors, der fürchten muss, nie wieder diese frische zu erreichen. Anstatt Blumen versuchen das Beste aus dieser schwierigen Ausgangssituation zu machen.

„Besser“ ist das Gegenteil zum vertrackten Auftakt und gibt sich als eingängige Popnummer, welche die durchgängig guten Texte des Albums übernimmt und durch den Gegensatz auffällt und nicht einfach am Hörer vorbeigeht. „Perfektes Wetter“ gibt dann den Mittelweg und preist sich eingängig an, wobei viele Facetten im Hintergrund das Lied umspielen. Crescendi, Streicher, die sich allerdings der Melodie anpassen, anstatt auch wieder auszubrechen und natürlich Elektronik, die dezent und sehr angenehm eingefügt wird. Damit sind wir auch bei der Formel des Albums, die mal ruhiger und mal forscher klingt.

Ab „Gefallen“ zeigt sich die Liebe zu ruhigen Balladen, die ohne Unterlass bis zum Ende der Platte durchgehalten werden. So nimmt das Duo sich leider selbst die Dynamik, die sie nachweislich durch „Raus“, „Perfektes Wetter“ oder den Abschluss „Umdrehen“ entstehen lassen können. Trotzdem ist dieses Pop-Album angenehm frisch und lässt wieder hoffen, dass die Talente Deutschland nicht so schnell ausgehen. Klez.E, Polarkreis 18 und Co.: Verteidigt eure Titel gefälligst. Konkurrenzkampf tut der deutschen Musikszene gut.

Anspieltipps:

  • Raus
  • Besser
  • Perfektes Wetter

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