Skálmöld - Baldur - Cover
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Skálmöld Baldur


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 66 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Skálmöld, das sind sechs Isländer, die vor Bandgründung bei verschiedenen Bands aus dem Pop/Rock-Bereich oder in klassischen Ensembles spielten, als musikalische Wurzeln aber Metallica, Anthrax und Slayer angeben. Nur ein Jahr nach ihrer Gründung spielten sie 2010 ihr Debüt „Baldur“ ein. Dieses lief unter dem färöischen Label Tutl Records. Die Resonanz war jedoch so positiv (unter anderem stand das Album einige Wochen auf Platz eins der isländischen Albumcharts), dass das renommierte Label Napalm Records das Sextett unter Vertrag nahm und nun besagtes Album erneut veröffentlicht.

Dem Hörer wird die Geschichte des fiktiven Wikinger Baldurs erzählt: Er lebt vom Reichtum seiner Ländereien und hat eine große Familie. Als eines Nachts ein Dämon auftaucht, tötet dieser Baldurs Familie und vernichtet die Ländereien. Nach einer kurzen Phase der Trauer sinnt Baldur auf Rache und macht sich mit zwei Begleitern auf den Weg. Auf diesem kämpfen sie gegen Trolle und Geister. Im Traum durchlebt der Wikinger noch einmal die folgenschwere Nacht. Am nächsten Tag finden sie den Dämon und nach einer großen Schlacht gelingt die Vergeltung, bei der jedoch auch Baldur stirbt. So findet der tapfere Recke seine Familie in Valhall und lebt dort weiter mit seiner Familie.

Ähnlich wechselvoll wie die einer klassischen isländischen Saga nachempfundenen Geschichte zeigt sich auch die Musik auf dem Album. Klassischen Wikingergesängen wechseln sich mit melodischen Death-Metal-Tracks, Metalcore-Versatzstücken, Trash-Momenten folkigen Melodien und Doom-Elementen ab. Dies geschieht aber nicht unvermittelt und scheinbar planlos. Im Gegenteil! Jeder Song orientiert sich an der Stimmung, die die Handlung bestimmt. Dies hilft dem Hörer, der vermutlich eher nicht des Isländischen mächtig ist, die in der Landessprache eingesungenen Lyrics zu verstehen. Diese wurden als besonderer Clou in der historisch verbürgten Dróttkvætt-Strophenform verfasst. Diese wurde auch für die allermeisten Sagas im frühen Mittelalter verwandt.

Skalmöld verstehen es durchweg bei ihren Liedern den Hörer durch spannungsgeladene, abwechslungsreiche Melodien bei der Stange zu halten. Auch wirken die folkigen Parts nicht so als ob man einfach nur auf den populären Folk-Metal-Zug aufspringen will. Prägnant ist neben dem klassisch inspirierten Keyboardspiel vor allem das Gitarrenspiel. Neben Twin-Gitarren-Leads steht ähnlich wie bei Iron Maiden noch eine dritte Gitarre, die allerdings bei den Nordmännern oft ergänzend, teilweise aber auch konträr zur Melodie spielt. Zudem zeichnet sich Sänger Björgvin Sigurðsson durch seine raue, aber dabei nicht unnötig kalte Stimme aus. Eher untypisch für Viking Metal ist dabei, dass der Isländer durchweg tief singt oder auch mal growlt, während die meisten seiner Genrekollegen auch mal in höheren Tonlagen schreien

Das kurze „Draumur“ irritiert den Hörer, da es eher eine Soundcollage als Musik ist. Hier wird der Traum Baldurs von der Schicksalsnacht vertont. Auch wenn das Babygeschrei doch sehr nach einem Sample in Endlosschleife klingt, erzeugen diese anderthalb Minuten eine unheimliche Stimmung.

Nachdem Baldur und seine Familie wiedervereint in Vallhall sind, fassen Skálmöld im Opus Magnum „Baldur“ die ganze Geschichte noch einmal zusammen. Auf musikalischer Ebene heißt das, es werden wiedererkennbare Elemente der zuvor gehörten Songs wieder aufgenommen und mit einander kombiniert. Kompositorisch ist ihnen damit ein ganz dicker Fisch, der mit einem klassischen Chor-Crescendo (mit Opernstimme!) endet, gelungen. Wieso allerdings dann als Bonustrack noch einmal „Kvaðning” in einer editierten Kurzversion an das Album geklatscht wurde, erschließt sich dem Hörer nicht. Dies ist schlicht und einfach unnötig.

Insgesamt haben Skalmöld mit „Baldur“ eine Duftmarke im Viking/Folk-Metal gesetzt, die Bands wie Tyr, Turisas und Amon Amarth ziemlich unter Leistungsdruck versetzen. Neben der spannenden Geschichte und der abwechslungsreichen Musik gelingt es ihnen eine enorme Spannung und Stimmung aufzubauen. Für ein Debüt eine weit mehr als ordentliche Leistung.

Anspieltipps:

  • Heima
  • Upprisa
  • Hefn
  • Baldur

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