Talking To Turtles - Oh, The Good Life - Cover
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Talking To Turtles Oh, The Good Life


  • Label: Devilduck/INDIGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Oh The Good Life“ ist eine runde Sache geworden und man spürt förmlich die Weiterentwicklung.

Talking To Turtles sind weiterhin Claudia Göhler und Florian Sievers, auch ihr zweites Album erscheint beim Hamburger Label DevilDuck. Sie als Lo-Fi- oder DIY-Band zu bezeichnen ist ebenso legitim wie sie im weitesten Sinne dem Anti-Folk-Genre zuzurechnen. Alles beim Alten also? Ja und Nein! Beim ersten Hördurchlauf nimmt man im Vergleich zum Vorgänger „Monologue“ den veränderten Gesang wahr. Claudia Göhlers Stimmanteile sind höher, auf allen Songs singt sie gleichberechtigt, auf „In A Number“ übernimmt Göhler sogar den Leadgesang. Florian Sievers’ Stimme hat an Souveränität hinzugewonnen, wer ihm auf „Monologue“ Manierismen (die in Wahrheit überbordende Leidenschaft waren) vorgeworfen hat, der wird hier eines Besseren belehrt.

Die Songs auf „Oh, The Good Life“ folgen ihren eigenen Gesetzen mit Melodielinien, die keinem üblichen Vers-Refrain-Vers-Schema gehorchen. Ob sie sich nun mit dominanten E-Gitarren hymnisch aufbäumen („Men In Trees“, „Grizzly Hugging“) oder sich als ruhig fließende Art-Folk-Songs („In The Future“, „Short Stories Long“) entpuppen, gemein sind ihnen immer hohe Dynamik- und/oder Spannungsanteile, die einem vorzüglichen Songwriting geschuldet sind. Nach mehreren Durchläufen treten immer mehr die geschickt miteinander verknüpften Details ins Bewusstsein. Mal fügen sich Pianoläufe wie z.B. auf „Wonky Craddle“, mal ein tuckerndes Banjo („In The Future“) oder wohl temperierte Glockenspieltöne ins Klangbild.

Desgleichen arbeiten Talking To Turtles mit Tempiwechseln, Laut-Leise-Dynamik und den Gegenpole setzenden, dennoch harmonischen weiblich-männlichen Duettstimmen. Gegen Ende gelangt „Oh, The Good Life“ mit den Songs „A Car A Beer Cigarettes“ und „Fingers Crossed“ durch den Einsatz eines Cellos in die Nähe von Bands wie The Miserable Rich oder The Sons Of Noel And Adrian. Mit dem finalen „REM“ wiegen uns Talking To Turtles in einen sanften tranceartigen Schlaf.

„Oh The Good Life“ ist eine runde Sache geworden und man spürt förmlich die Weiterentwicklung, vielleicht auch, dass das Album in Seattle im legendären Avast!-Studio aufgenommen wurde, sozusagen als Gegenprogramm zu „Monologue“, das in einem deutschen 20qm WG-Zimmer entstanden ist. Von neuen Bands wird immer wieder Eigenständigkeit eingefordert, Claudia Göhler und Florian Sievers haben bereits mit dem zweiten Album ein gutes Stück Weg dorthin hinter sich gebracht. Der lange Weg nach Seattle und zurück, wer weiß wohin die Reise noch führen wird...

Anspieltipps:

  • I Am In Numbers
  • Wonky Graddle
  • Men In Trees
  • A Car A Beer Cigarettes
  • Fingers Crossed

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