Matt Roehr - Blitz & Donner - Cover
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Matt Roehr Blitz & Donner


  • Label: Gonzo Music/SOULFOOD
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach zwei musikalisch sehr vielseitigen und zudem englischsprachigen Soloalben legt der ehemalige Böhse-Onkelz-Gitarrist Matthias „Gonzo“ Röhr (49) mit „Blitz & Donner“ seinen ersten Longplayer mit deutschen Texten und betont rockigen Songs vor. Im Gegensatz zu Röhrs Ex-Onkelz-Kollege Stephan Weidner, der mit dem zweiten Album seines Projekts Der W („Autonomie“, 12/2010) deutlichen Abstand genommen hat vom alten Onkel-Sound, rückt Röhr völlig überraschend nach jahrelangen mehr oder weniger erfolgreichen Abnabelungsversuchen vom Onkelz-Lager mit „Blitz & Donner“ stilistisch wieder ins Glied zurück.

Waren „Barra Da Tijuca“ (10/2007) und „Out Of The Great Depression“ (03/2010) noch stark von Bluesmusik und südamerikanischen Klängen geprägt, geht es auf „Blitz & Donner“ hörbar kerniger zur Sache. Matt Roehr spielt Punk- und Hardrock von der Straße, schmutzig, räudig und mit klaren Ansagen, die wir so ähnlich auch von den Böhsen Onkelz kannten („Himmelsstürmer“, „Gedankenpolizei“, „Ich bin nicht wie du“). Die Produktion ist passend zu der Attitüde der Musik auf das Nötigste beschränkt. Hier wurde nicht viel im Studio getrickst, sondern alles urwüchsig und roh belassen.

Mit den heutigen Hochglanzproduktionen kann und will „Blitz & Donner“ demnach gar nicht mithalten. Und auch Röhrs Gesang ist sicher nicht als perfekt zu bezeichnen. Doch mit seinem aggressiven Bellen und Keifen („Kein zurück“) und dem inhaltlichen Pathos á la Böhse Onkelz („Sekt oder Selters“, „R.I.F.“) liefert der 49-Jährige eine authentische Vorstellung ab.

„Blitz & Donner“ ist eine Reminiszenz an die wilden Jahre in Matt Röhrs Karriere und damit die bis dato eindeutigste Fortsetzung des Onkelz-Erbe. Aber nicht nur Röhrs ehemalige Band stand dem Sound des Albums Pate. Ein paar filigrane Kleinigkeiten kann sich der Frankfurter nämlich nicht verkneifen. So wird in „Himmelsstürmer“ ein Gretsch-Gitarren-Sound aus der Brian-Setzer-Rockabilly-Abteilung versteckt, während „Gedankenpolizei“ dem Blues huldigt und „Ja, nee, is’ klar!“ auch Motörhead alle Ehre machen würde. Das macht „Blitz & Donner“ zwar noch nicht zu einem überragenden Werk, aber wer auf räudigen Rock’n’Roll mit Onkelz-Feeling steht, bekommt mit dieser Scheibe einen schmackhaften Happen vorgesetzt.

Anspieltipps:

  • R.I.F.
  • Gedankenpolizei
  • Himmelsstürmer
  • Sekt oder Selters
  • Ich bin nicht wie du

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