Blue October - Any Man In America - Cover
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Blue October Any Man In America


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Vom ehemaligen Bi-Polar-Art-Rock ist nicht mehr viel geblieben.

Eine Einleitung ist eine Kunstform. Sie muss kurz und bündig den Leser an den Artikel fesseln und ihm Appetit machen. Dies schafft man über großartige Neuigkeiten, die penetrante Nutzung von Großbuchstaben und Ausrufezeichen oder die Erwähnung von völlig unwichtigen Details. Im Falle des neuen Blue-October-Albums wäre solche ein Detail, dass drei Viertel der Lieder auf „Any Man In America“ mit dem Wort „The“ beginnen. Auf den ersten Blick wirkt dies nicht gerade ästhetisch und Laien bangen um die Kreativität des neuen Outputs. Wer die Band um Justin Furstenfeld kennt, der macht sich da aber auch nach 16 Jahren Bandbestehen keine Sorgen. Der immer nah an der Depression lebende Sänger hat es bisher immer wieder geschafft mit seinen Bandmitgliedern Hoffnung und Verzweiflung zu großen Melodien zusammenzusetzen.

Der Name Hawksley Workman mag manchen durch den Kopf schwirren, wenn Justins Stimme erklingt und so daneben liegt man mit dieser Einschätzung nicht. Wer ein ähnlich verrücktes und fröhliches Lied wie „(The Happiest Day I Know Is A) Tokyo Bycicle“ sucht, wird natürlich enttäuscht sein, doch gesanglich bewegen sich die beiden Künstlern auf ähnlichen Leveln. Was den Aufbau angeht verliert sich Blue October nicht in progressiven Stücken, die in all ihrer Eingängigkeit trotzdem Grenzen sprengen. Nein. Furstenfeld und Konsorten schaffen geradezu klassische Rocksongs, die wie „Kopf-Hoch“-Hymnen fast gewaltsam die Sonne zum Scheinen bringen wollen. Besonders die erste Hälfte des Albums bis „The Chills“

Vom Bi-Polar-Art-Rock ist nicht mehr viel geblieben, meint man. Zwar möchten Fans auf einen Bruch zur Hälfte durch „The Flight (Lincoln To Minneapolis)“ hoffen, doch wirklich zur Sache geht es erst im Titeltrack. Nicht nur Justin selbst zeigt hier seine Stärken im HipHop, sondern auch Gäste sorgen dafür, dass der Titeltrack gefühlt mindestens zwei Songs in sich eint. Spätestens jetzt ist der Sonnenschein der ersten Hälfte vergessen und „You Waited Too Long“ kann sich in den Strophen in der eigenen, melancholischen Stimmung suhlen. Allein „The Honesty“ wirkt zu bunt und lebendig, um sich der Down-Phase des Albums anzupassen.

Ganz konsequent bleibt die Band zudem auch nicht, da das Album mit der Ballade „The Worry List“ und dem 90er-Jahre-Gedächtnis-Rocker „The Follow Through“ das Album in einen Sonnenuntergang reiten lässt, anstatt den Hörer mit Verzweiflung oder zumindest Ungewissheit zurückzulassen. Aus künstlerischer Sicht ist das ein wenig enttäuschend, aber aus Sicht der Fans ist es gut zu wissen, dass die Band den Optimismus obsiegen lassen möchte. Auch wenn der Stil der Band inzwischen recht altbacken daherkommt, ist es noch immer eine Freude Herrn Furstenfeld singen zu hören und auch die Melodien können sich – trotz Alterszeichen – immer noch sehen lassen.

Anspieltipps:

  • Any Man In America
  • The Feel Again (Stay)
  • The flight (Lincoln To Minneapolis)

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