Viktoria Tolstoy - Letters To Herbie - Cover
Große Ansicht

Viktoria Tolstoy Letters To Herbie


  • Label: Act/EDEL
  • Laufzeit: 57 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Was macht eine Ururenkelin von einem bedeutenden russischen Schriftsteller? Die mit dem berühmten Lew Tolstoi verwandte Viktoria Tolstoy singt und zwar Vocal Jazz. Dabei ist sie gebürtige Schwedin und als solche reiht sie sich in die Tradition der skandinavischen Sängerinnen ein. Sie hat eine wirklich schöne Stimme und eine Menge Talent mit auf den Weg bekommen. Wie sie so sanft die Noten in die Länge zieht, ist es kaum zu glauben, dass sie nie eine Gesangsstunde genommen hat. Erfahrung hat sie aber mehr als genug, denn das neue Werk „Letters To Herbie“ ist bereits ihr neuntes Album.

Zwei Stichworte reichen, um den Titel richtig zu deuten. Es handelt sich um die Sparte „Jazz“ und der Name im Titel ist „Herbie“, es kann also nur um den großen Herbie Hancock gehen. Diesem wichtigen Pianisten widmet Tolstoy ihr Werk und interpretiert dabei zum größten Teil seine Stücke, wobei sie eine große Zeitspanne abdeckt. Jedes Stück ist also ein Brief an Herbie, wobei das Titelstück der eigentliche selbstgeschriebene (zusammen mit Land- und Lindgren) Brief ist. Ob Herr Hancock diesen Brief beantworten wird und ihm die eher im Pop-Jazz beheimateten Stücke gefallen werden, bleibt abzuwarten.

Positiv hervorzuheben ist, dass die Stücke nicht nach einem standardisierten Schema bearbeitet wurden. Jedes besitzt ein gewisses Quäntchen, dass es von den anderen abhebt und ein wenig aufwertet, sei es ein Gitarrensolo („Textures“) oder ein Pianoteil („Butterfly“), die ein wenig mehr Jazzfeeling verursachen, eine funkige Mischung aus Orgel und Piano („I Tought It Was You“) oder Lindgrens Posaune („Give It All Your Heart“). Ja, die beiden zuletzt genannten Funkbasierten Nummern sind besonders hervorzuheben, bieten sie sowohl eine richtig gelungene musikalische Fusion als auch sehr eingängige Refrains.

Das Album bietet eine Mischung aus Jazzballaden, melodiösen und funkigen Popstücken. Auf der einen Seite ist also für jeden Geschmack etwas dabei, auf der anderen Seite wird den wenigsten Hörern das vollständige Album gefallen. Jeder wird wohl das ein oder andere Stück aus dem Repertoire herausnehmen, z.B. die auf Dauer etwas nervigen „Paradise“ oder „Chemical Residue“. „Letters To Herbie“ ist somit ein solide gemachtes Album, nicht wirklich mitreißend oder umhauend, aber sehr angenehm nebenbei zu hören.

Anspieltipps:

  • Give It All Your Heart
  • I Tought It Was You
  • Butterfly
  • Textures

Neue Kritiken im Genre „Jazz“
Diskutiere über „Viktoria Tolstoy“
comments powered by Disqus