The Rapture - In The Grace Of Your Love - Cover
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The Rapture In The Grace Of Your Love


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wozu heute maßgeblich getanzt wird, wenn es um Band- und nicht Laptop-Sounds geht, pflanzten vor gut einer Dekade New Yorker Bands und allen voran das Label DFA-Records von LCD Soundsystem’s Mastermind James Murphy in unsere Pop-Kultur. Disco Punk, eine Form des Post-Punk funkte aus dem Big Apple durch das DFA-Label in die Boxen der westlichen Welt. Dessen frühes unangefochtenes Flaggschiff, The Rapture, waren die Könige des dem Strokes’schen Garagen-Retro-Rock sich entsagenden und den elektronischen Klängen zuwendenden Pop-Sound. Was wären die Indie-Disco-Nächte der ersten Post-9/11-Jahre ohne The Rapture, LCD Soundsystem und Radio 4? Auch die Transzendierung in die Gegenwart schaffte das Label spielend, wie die derzeitigen Acts Hot Chip, Hercules And Love Affair, Planningtorock und Shit Robot beweisen. Doch The Rapture und ihre Hits, allen voran „House Of Jealous Lovers“, man gebe es zu, sind mittlerweile deutlich angestaubt und zu einer Phase jüngerer Vergangenheit geworden, die man irgendwie hinter sich gelassen hat. 2011 ist eben nicht 2003.

Um so erfreulicher, dass das dritte Studioalbum einer viel zu schnell viel zu groß gewordenen Band nicht versucht eine kürzlich für vergangen erklärte Phase zu konservieren. The Rapture sind mit „In The Grace Of Your Love“ auf der Höhe der Zeit, was nicht unbedingt zu erwarten war. Bassist/Sänger und wie es im englischen so treffend heißt Key-Member Mattie Safer stieg 2009 aus, als sich das ursprüngliche Quartett nach vielen Wirren in Brooklyn zaghaft an neues Material heranwagte und sich um ein Fortbestehen der zum Star-Act aufgestiegenen Band bemühte. Und dem Trio ist ein zwingender Rückgriff aus vergangen Sound-Material gelungen, aus dem ein zukunftsgewandtes Jetzt wird. Die große Pop-Klammer unsere Zeit: Alt klang noch nie so neu. The Rapture fügen diesem Kapitel starke Seiten hinzu.

Eine große Strömung innerhalb der Popkritik beklagt diesen Umstand als Makel, als kreative Sackgasse des musikalischen 21. Jahrhunderts. Doch so sehr es richtig ist, dass Stücke von Bands wie The Rapture extrem Siebzieger funken, rhythmisch äußerst Achtziger dahertrommeln und sich Schnipsel von frühen Neunziger-House entleihen, so sehr ist der Grat ein schmaler, machen viele daraus durchaus plakative Gestrigkeit, aber manche mit den wohlbekannten Mitteln der Vergangenheit tatsächlich Neues. Verve, Grazie und ein Gespür für das richtige Mischungsverhältnis sind dabei entscheidende Faktoren. Von jenen haben The Rapture 2011 vor allem eines: Grazie. Die ehemalige Party-Band macht nach wie vor tanzbare Musik, doch sie ist um einiges gereifter und reflektierter als früher. „Never Die Again“, „Miss You“ und „Come Back To Me“ haben die von Sänger und Gitarrist Luke Jenner über die Promo für das gesamte Album konstatierte Vergebungsthematik. Per se nicht unbedingt ein tanzbares Ausgangsmaterial, erschafft das Trio Luke Jenner, Vito Roccoforte und Gabriel Andruzzi daraus dennoch versierte Songs mit gleichsam innehaltenden und sich nach vorne arbeitenden Rhythmen und minimalen Melodiestrukturen, wo auch mal ein zwei Töne spuckendes Saxophon als Melodiewürzer ausreicht. Überhaupt sind die Instrumente tanzbarer Euphorie klug karg eingesetzt. The Rapture, und das ist der größte Unterschied zu ihren Anfangstagen, bedürfen keiner Überladung mehr, um ihren Emotionen adäquaten tanzbaren Raum zu geben. Mit „Blue Bird“, „Roller Coaster“ und „Children“ kennt „In The Grace Of Your Love“ aber auch Längen und Unausgereiftes. Aber das große Wagnis, nach zu viel Erfolg eine konsequente Weiterentwicklung anzugehen, haben die zum Trio geschrumpften The Rapture alles in allem mit Bravour gemeistert. Älter werden hat eben doch etwas Gutes. Man konzentriert sich auf das wesentliche im Leben. Auch die Cover-Wahl zeugt hiervon. Nach dem Suizid der psychisch kranken Mutter von Frontmann Jenner vor vier Jahren, ziert sein jugendlicher Vater auf dem Surfbrett das bild zum Album. Ihn würdigen erschien wichtiger als das eigene Antlitz auf das fertige Produkt Arbeit zu pressen. Mit Grazie.

Anspieltipps:

  • Never Die Again
  • Come Back To Me
  • Miss You
  • In The Grace Of Your Love

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