The Walkabouts - Travels In The Dustland - Cover
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The Walkabouts Travels In The Dustland


  • Label: Glitterhouse Records
  • Laufzeit: 57 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die traumhafte Entführung ins Dustland startet mit „My Diviner“, das mit dem unverkennbaren, engelsgleichen Timbre der Carla Torgerson auf die Atmosphäre des Albums einstimmt. Dem folgt das in typischer Walkabouts-Manier komponierte „The Dustlands“, das Chris Eckman mit angerauter Stimme vorträgt. Der Staub der Landstraßen und des Wüstensands, der Eckman mit Dirtmusic und Tamikrest ins Gesicht blies, hat seine Spuren hinterlassen. Wie viele musikalische Seelen stecken in dem Walkabouts-Frontmann? Und welche hat sich der „Soul Thief“ geschnappt? „The burden I carry / Is the story I tell“ singt Eckman, während die Stromgitarren vibrieren und der Seelendieb sanft auf den eindringlich strömenden Keyboardwellen surft. Der Last wird getrotzt: „You old soul thief / you will not capture me“, tönt es beinahe spöttisch, während Carla Torgerson im Anschluss das traumverlorene, melancholische „They Are Not Like Us“ anstimmt. Vom Rhythmus und der Orgel dominiert und den Balkan Blues im Gepäck, hat das gleichfalls von Torgerson gesungene „Thin Of The Air“, welches das erste Kapitel („Home & Beyond“) von „Travels In The Dustland“ beschließt.

Tatsächlich unterteilen The Walkabouts ihr neues Album – das erste nach sechsjähriger Pause – in vier Kapitel, denen sie jeweils literarische Zitate voranstellen. Kapitel zwei „Crossing Broken Ground“ geht ein Bibelzitat voran und der „Rainmaker Blues“, der ganz in der Folk-Rock-Americana-Tradition der Walkabouts steht. All dies wird auf „Every River Will Burn“ in eine Art West-Coast-Folk-Gospel überführt, der gegen Ende einsetzende mehrstimmige Gesang scheint in einen endlosen Himmel zu wachsen. Danach strotzt „No Rhyme, No Reason“ mit an The Clash („London Calling“) mahnenden Stromgitarren. Aufruhr und Sehnsucht: „The Burnpile grows / From the kindling / Of our souls“.

Das dritte Kapitel namens „A Lifting“ startet mit „Wild Sky Revelry“, das signalisiert, dass die Reise ins Dustland bereits zu weit fortgeschritten ist, um diese abzubrechen. Himmel und Horizont, Liebe und Tod verschwimmen, werden eins. Piano, Pedal Steel und die Streicher des Apollo Chamber Orchestra tragen Carla Torgerson in das Land, in dem der große Mickey Newbury gelebt und seine „American Trilogy“ erbaut hat. Danach beschließt „Long Drive In A Slow Machine“ dieses Kapitel mit typischem Walkabouts-Groove und den Zeilen: „We are not the chosen / We choose this for ourselves / We were never really here / No one will miss us if we leave // Take a long, long drive“.

Von William T. Vollmann ist das Eingangszitat des Schlusskapitels „Dusk, Stones, Silence“, es stellt die Frage: „Where was I? Sometimes I know, but long after the fact.“ Zuweilen wird sich dies der umtriebige Chris Eckman fragen, in welchem Teil der Welt er sich gerade aufhält, an welchem Projekt er arbeitet, wenn Bilder und Klänge verschwimmen wie die Landschaftsfotografien im Booklet und dennoch ist gerade er einer der wahrhaftigsten Singer/Songwriter, der in der Tat nur ein Album aufnimmt, wenn Dringlichkeit, Leidenschaft und Kreativität stimmen. In diesem Sinne wird das letzte Kapitel mit einem einzigen Song beendet, der die Magie der Stimmen Eckman/Torgerson in volle Leuchtkraft versetzt. „Horizon Fade“ ist das wunderbare Finale eines großartigen Werks. „Where the blood songs / Sing to themselves: Horizon Fade“, singen die Beiden, während die Streicher zwischen Bedrohlickeit und Wohlklang schwelgen. Die Horizonte verschwinden, der letzte Vorhang ist gefallen.

Anspieltipps:

  • My Diviner
  • Every River Will Burn
  • No Rhyme, No Reason
  • Wild Sky Revelry
  • Horizon Fade

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