Nirvana - Nevermind (20th Anniversary Edition) - Cover
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Nirvana Nevermind (20th Anniversary Edition)


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 148 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch und vor allem nach 20 Jahren muss man klar sagen, dass die Songs den Test der Zeit überstanden haben.

Eigentlich ist in den letzten 20 Jahren alles über „Nevermind“ gesagt und geschrieben worden. Dabei wurde kein denkbarer Superlativ ausgespart und auf keine Glorifizierung verzichtet. Richtig ist, dass wohl kein Album in den letzten zwei Dekaden einen ähnlichen Einfluss auf die Rockmusik hatte. In gewisser Weise kam der Erfolg auch nicht wie verschiedentlich behauptet aus dem Nichts. So häuften sich seit Ende der 80er Jahre in den USA Veröffentlichungen von Bands wie Sonic Youth, R.E.M., den Pixies, Soundgarden und Mudhoney (um nur einige zu nennen), deren unprätentiöser Rock dem Dicke-Hose-Gehabe der 80er diametral entgegengesetzt erschien. Epizentrum dieser Entwicklung war die Küstenstadt Seattle. Nach ihrem Debüt „Bleach“ waren Kurt Cobain und seine Mitstreiter durchaus ambitioniert und wollten es wissen. „Nevermind“ war schließlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Offensichtlich traf die Mischung aus beatlesken Melodien, roher Härte und Cobains Charisma den Nerv der Zeit. Das damals noch mächtige MTV hat das früh erkannt und ist voll mit eingestiegen und auch die sonstige Presse war völlig entfesselt. Die Folgen machten der Band und vor allem Cobain bekanntermaßen schnell schwer zu schaffen. Man hatte davon geträumt, so groß wie Sonic Youth zu werden, doch stattdessen wurde der damalige Megastar Michael Jackson vom Thron gestoßen. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt. Cobain hat den Zirkus noch knapp drei Jahre mitgemacht, bevor er sich das Leben nahm und sich selbst, die Band und vor allem „Nevermind“ endgültig zum Mythos machte.

Über die Songs von „Nevermind“ muss man dabei gar nicht mehr viel sagen. Auch und vor allem nach 20 Jahren muss man klar sagen, dass sie den Test der Zeit überstanden haben und unwiederbringlich in den Grundkanon der Musikgeschichte eingegangen. Dass sich allen voran der Gassenhauer „Smells Like Teen Spirit“ völlig verselbständigt hat, war der Band wohl schon zu Cobains Lebzeiten schmerzlich klar. So würde es ihn heute vermutlich auch nicht weiter wundern, wenn er wüsste, dass sich inzwischen selbst Miley Cyrus und David Garret trauen, den Song zu covern und dass Tante Helga auf Hochzeiten zwischen „It’s Raining Men“ und „La Bamba“ enthemmt das Haupthaar zu dem Song schüttelt. Das alles ist zwar nicht immer leicht zu ertragen, ändert aber nichts daran, dass Nirvana mit ihrer Musik allgemein und mit „Nevermind“ ganz speziell Meilensteine hinterlassen haben.

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Insofern ist es durchaus gerechtfertigt, dass zwanzigjährige Jubiläum gebührend zu feiern. Da wurden weniger wichtige Alben schon mit einem größeren Brimborium zelebriert. Nichtsdestotrotz hat die Wiederveröffentlichung zumindest einen gewissen Beigeschmack. Die Schaffensperiode der Band war ja letztlich nicht sehr lang und mit den Studioalben „Bleach“, „Nevermind“ und „In Utero“ auch überschaubar. Schon zu Cobains Lebzeiten begann man mit der Demo- und Raritätensammlung „Incesticide“ den Hunger nach Songmaterial zu stillen. Posthum kamen seitdem mit mehreren Livealben, einer Best Of und einer weiteren umfangreichen Raritätensammlung diverse lohnende Einnahmequellen hinzu. Die Zitrone wurde bisher also schon ziemlich ausgequetscht. Die Wiederveröffentlichung von „Nevermind“ schlägt durchaus auch ein wenig in diese Kerbe, denn die B-Seiten und zusätzlichen Demoversionen sind nur zum Teil neu und allenfalls für eingefleischte Fans und Komplettisten unverzichtbar. Die Demos der Smart Studio Sessions zeigen die Band zwar in Top-Form und bester Spiellaune, die Proben der Boombox Rehearsals klingen dagegen wie mit einem 90er-Jahrer-Ghettoblaster mitgeschnitten. Mehr als ein Punktabzug wäre hier aber dennoch wirklich übertrieben.

Für alle die, die Entdeckung von Nirvana noch vor sich haben sollten, ist die Deluxe-Edition ein Einstieg, der keine Wünsche offen lässt. Außerdem kann man jene junge Musikfans, die den erstmaligen Genuss von „Nevermind“ noch vor sich haben, ohnehin nur beneiden.

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