Leprous - Bilateral - Cover
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Leprous Bilateral


  • Label: InsideOut/EMI
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Notodden in Norwegen hat trotz lediglich ca. 12.500 Einwohnern schon einige Metalbands hervorgebracht, wie z.B. Emperor. Im Jahre 2001 sind Leprous dazugekommen, die seither in Gefilden des melodischen und progressiven Metals unterwegs sind. Das Wort Prog-Metal ist extra zu vermeiden, da es leider mit vielen Klischees behaftet ist und den Norwegern Unrecht tun würde, sind die hörbaren Einflüsse und Stile deutlich breiter gestreut als das Wort vermuten lässt. Ihr viertes Album „Bilateral“ fällt schon beim Betrachten des Covers auf, denn für das surrealistische Motiv ist der amerikanische Maler Jeff Jordan verantwortlich, dessen Bilder bereits die letzten Alben von The Mars Volta zierten.

Eine Sache ist gehörig schief gegangen auf „Bilateral“ und zwar der Beginn des Albums. Dieser Power-Metal Song am Anfang passt überhaupt nicht zum Rest. Er könnte regelrecht einige Hörer vergraulen beziehungsweise anderen falsche Hoffnungen machen. „Forced Entry“ wäre nicht nur vom Titel her die deutlich passendere Wahl für den Einstieg in das Album, denn hier fliegen zu Beginn und Ende Meshuggah-Riffs durch die Lüfte, während der Mittelteil an die späteren Machenschaften von Sieges Even erinnert, nicht zu vergessen der überraschende aber doch coole Falsett-Gesang im Refrain. Der Song kommt einem vertraut und neuartig zugleich vor, ein abwechslungsreicher Kracher, der den Hörer staunend zurücklässt.

Die nächste Überraschung lässt nicht lange auf sich warten, denn in „Restless“, „Mb. Indifferentia” und auch „Acquired Taste“ hören sich Leprous teilweise wie eine norwegische Kopie von Opeth an, jedenfalls der leisen Songs, mal ist es eine ähnliche saubere Singstimme, dann ähnliche Riffs, ja sogar die Keyboardeinlagen sind teils zum Verwechseln ähnlich. In „Thorn“ blitzt aber schon auf, dass die Jungs auch deutlich eigenständiger klingen können und dass sie technisch einiges drauf haben. Hier gesellen sich zu den bisherigen Zutaten zum ersten Mal Shouts und sogar Trompeten hinzu. „Waste Of Air“ geht regelrecht in Richtung Death-Metal mit einigen Blastbeats und kurz akzentuierten Gesangseinlagen.

Die Musik auf „Bilateral“ ist zu keinem Augenblick langweilig, ganz im Gegenteil, sehr experimentierfreudig, mit vielen unerwarteten Wendungen und interessantem Songwriting, auch sehr melodisch, aber nicht alle Nummern können restlos überzeugen und das Niveau der Anspieltipps halten. Wen die teilweise fehlende Eigenständigkeit nicht stört, kann einen halben Notenpunkt dazu addieren, denn unterhaltsamer als die meisten 0815-Prog-Metal Bands sind Leprous allemal.

Anspieltipps:

  • Forced Entry
  • Thorn
  • Waste Of Air

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