Kasabian - Velociraptor! - Cover
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Kasabian Velociraptor!


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Im vierten Anlauf wird die Tube nicht mehr ganz so brutal ausgequetscht. Melodien und Songwriting stehen im Vordergrund.

In guter britischer Rock-Tradition stehend, waren Kasabian dem Größenwahn schon immer recht nah. Doch dass Serge Pizzorno ausgerechnet nach dem überragenden „The West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ von 2009 nun den Nachfolger mit der nonchalanten Feststellung „it’s been 15 or 16 years since the last truly classic album, but I think we’ve done it,“ anpreist, macht dann doch zunächst ein wenig sprachlos. Aha. Und was war dann das letzte Album?

Das schwierige beim Verhandeln des Kasabian-Falles ist, dass sie so furchtbar viele selbst diskreditierende Steilvorlagen bieten, nicht unähnlich der vor Taubenkotangriffen panisch flüchtenden Kings Of Leon, aber die schlussendlich zähl- und verhandelbaren Endergebnisse sich mehr als sehen lassen können. Kasabian, mit ihren bisherigen drei Alben, machen richtig gute, vielfältige und postmoderne Rock-Musik, dem entgegen steht ihre bisweilen dummdreiste Schnauze.

Das beeindruckende 2009er Werk war dabei ein Album der Zäsuren. Pizzorno ging im internen Machtkampf um Hegemonie als Sieger hervor und führt fortan die geschrumpften Kasabian songwritertechnisch allein. Das frische Ergebnis erfuhr Jubel allenthalben. Nun machen Kasabian unter den gleichen Bedingungen weiter, was man „Velociraptor!“ auch anhört. Es ist wieder ein Rock-Kaleidoskop das Kasabian hier ausbreiten. Opulente Streicher hier, zarter Gitarrenanschlag dort, gebremste Melodieeuphorien geben sich die Hand mit dröhnenden Synthesizer-Wänden. Kasabian können verdammt viel, das ist ihre Stärke. Die haben sie oft genug ausgereizt. Im vierten Anlauf nun, wird die Tube nicht mehr ganz so brutal ausgequetscht. Die Melodien und das Songwriting stehen im Vordergrund. „Days Are Forgotten“ macht indes noch den Hansdampf in allen Gassen, wie zu guten alten „Club Foot“- oder „Shoot The Runner“-Zeiten, während ab „Days Are Forgotten“ reflektiertere Züge in Kasabians Rock Einhalt finden.

„La Fee Verte“ könnte für diese sich weiterentwickelt habenden Kasabian stehen, zaghafter Strukturaufbau entwickelt sich sukzessive in einen alle Instrumente mit einbindenden Chorus, Trompete und Klavier inbegriffen. Ein zwingender und doch kein rockender Kasabian-Song. Doch schon das nächste Stück vergreift sich wieder an jener wir-können-alles-Einstellung und rockt schnell und Festival-tauglich ein wenig banal daher. Kasabian stehen im Transit. Das macht „Velociraptor!“ deutlich. Wobei die ersten beiden und die letzten beiden Alben dabei eine relativ homogene, für sich stehende Einheit bilden. Das wunderschöne „I Hear Voices“ und „Re-wired“ unterstreichen die gleiche Stärke wie „La Fee Verte“, Kasabian brauchen nicht mehr den ganz großen Rock-Druck um zu brillieren, aber auf ein mit den früheren Mechanismen gänzlich abgeschlossen habendes Werk lassen sie sich noch nicht ein. Dafür ist das Rockstar-Dasein wohl zu schön. Es kann sein das Kasabian für immer in diesem Transit-Bereich verweilen, vielleicht aber erfinden sie sich demnächst tatsächlich neu. Festzuhalten bleibt dennoch, dass Kasabian es mit ihren allumfassenden Rock besser machen als die meisten.

Anspieltipps:

  • Days Are Forgotten
  • La Fee Verte
  • I Hear Voices
  • Re-wired

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