Wingenfelder:Wingenfelder - Besser Zu Zweit - Cover
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Wingenfelder:Wingenfelder Besser Zu Zweit


  • Label: Tag-7/Rough Trade
  • Laufzeit: 55 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Fury In The Slaughterhouse-Ersatz geht das Alles jedenfalls nicht durch und von künstlerischer Eigenständigkeit fehlt ebenfalls jede Spur.

Nachdem die Auflösung von Fury In The Slaughterhouse mit dem CD/DVD-Paket „Farewell & Goodbye Tour 2008“ (11/2008), dem Release „Clicksongs & Peppermint Stories / Especially Ordinary“ (03/2008), der die beiden genannten VHS-Katalogthemen zusammengeführt und auf DVD gebannt hat, und der Zusammenstellung „Don´t Look Back“ (03/2008) mit B-Seiten, Coversongs und bisher unveröffentlichter Tracks nun auch veröffentlichungstechnisch abgeschlossen sein dürfte, können sich die Hauptverantwortlichen hinter Deutschlands ehemals vielversprechender Rockformation nach neuen Tätigkeitsfelder umsehen. Im Falle von Kai (Gesang) und Thorsten (Gitarre) Wingenfelder bedeutet das schlicht und ergreifend eine gemeinsame Platte zu machen.

„Besser zu zweit“: Allein schon der Name verspricht Großes und lässt an alte Zeiten denken, in denen Fury In The Slaughterhouse international für Furore sorgten und das Songwriting keine Wünsche offen ließ. Da die letzten Atemzüge der Wingenfelder´schen Hauptformation allerdings nicht gerade mit Geistesblitzen gesegnet waren (z.B. „Every Heart Is A Revolutionary Cell“ (07/2006) oder „The Color Fury“ vom April 2002) und auch die begangenen Solopfade alles andere als überzeugten („Alone“ (04/2007) von Kai scheiterte an seiner Vorhersehbarkeit und der zweite Ausflug von Thorsten mit „360 Grad Heimat“ (04/2006) schwankte zwischen bemüht und nervig), sind Vorschusslorbeeren jedoch eine heikle Angelegenheit.

So kommt es dann auch leider, wie es kommen muss. „Besser zu zweit“ erstreckt sich zwischen 0815-Rock („Revolution“), pathetisch aufgeladenen Songs für die Herzallerliebste („Perfekt“, „Dinge, die wir nicht verstehen“), Erinnerungen an die gute, alte Zeit in Stadionrockmanier („9 Leben“), schunkeligen („Nie zu spät“), bis einfach nur dämlichen („Kann ich auch alleine“) Feelgoodstücken oder düsteren Rocksongs („Angst vor der Angst“), die allesamt wenig Lust auf weitere Taten des Brüderpaars machen. Aufhorchen lässt das Wingenfelder-Gespann lediglich wenn es erdiger ans Werk geht („Paradies“, „Falsche Braut“) oder nachdenklichere Seiten angeschlagen werden („Besser zu zweit“, „Bis ans Ende der Welt“, „Lied vom Meer“, „Irgendwie wird´s gehen“). Dafür gibt es im Gegenzug eine Nummer wie „Irgendwann zurück“, bei der sich unweigerlich die Frage stellt, ob die Beiden den Song im Vollrausch aufgenommen haben.

Als Fury In The Slaughterhouse-Ersatz geht das Alles jedenfalls nicht durch und von künstlerischer Eigenständigkeit fehlt ebenfalls jede Spur. Somit ist „Besser zu zweit“ nicht mehr als das Produkt zweier Songschreiber, die ihren Fans irgendwie treu bleiben wollen, aber diese aufopfernde Haltung nicht mit sinnvollen Inhalt zu füllen wissen. Vollkommen daneben sind die Kompositionen der zwei Herrschaften zwar nicht, aber die Stellen, an denen man sich fragt, ob es nicht besser gewesen wäre den letzten Satz der Abschiedstour wörtlich zu nehmen („Tschüss, wir sehen uns im nächsten Leben wieder!“), häufen sich einfach zu stark.

Anspieltipps:

  • Paradies
  • Falsche Braut
  • Besser zu zweit
  • Bis ans Ende der Welt

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