Machine Head - Unto The Locust - Cover
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Machine Head Unto The Locust


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein weiteres grandioses Werk der Maschinenköpfe.

„Through The Ashes Of Empire“ (10/2003) war ein Befreiungsschlag wie er wohl nur aus der Bay Area kommen kann: Brutal, zügellos und dennoch emotional. Nach einem stilprägenden Meisterwerk wie „Burn My Eyes“ (08/1994) durfte sich der Machine Head-Fan nach den völlig überzogenen Experimenten „The Burning Red“ (08/1999) und „Supercharger“ (10/2001) schließlich fragen, wo zwischen Nu Metal-Anbiederungen und Groove-Exkursen die bedinungslose Wut hin ist, die Mitte der 90er unzählige Wohnzimmer heim suchte. Als der Thrashflegel 2003 veröffentlicht wurde, war man sich jedenfalls sicher, dass Machine Head wieder auf dem richtigen Kurs sind, ohne zu wissen, dass vier Jahre später bereits die von Vielen schon im Vorfeld als Opus Magnum betitelte Scheibe „The Blackening“ (03/2007) in den Läden stehen und eine völlig neue Ära für die Truppe aus Oakland, Kalifornien einläuten wird.

In eine progressive Hülle gebettet, technisch über jeden Zweifel erhaben und mit Riffs gesegnet, die dem Hörer wie schallende Backpfeifen ins Gesicht schlagen, begeisterte der sechste Wutbrocken, an dessen Songwritingprozess erstmals Schlagzeuger Dave McClain beteiligt war, nicht nur Fans und Kritiker, sondern streifte quasi im Vorbeigehen noch schnell einen Grammy für die „Beste Metal-Darbietung“ ein. „The Blackening“ definierte Machine Head als unzähmbares Thrashmonster, das weder vor längeren, verschachtelten Instrumentalpassagen, noch vor einem Spagat aus aggressiven und versöhnlichen Bausteinen Halt machte und sich so als Ehrenmitglied der „Big Four des Thrash Metal“ (Anthrax, Megadeth, Metallica, Slayer) empfahl. „All we heard was: How are you going to top „The Blackening”?” - Gestatten, „Unto The Locust“!

Bereits der Opener „I am hell (Sonata in C#)“ verwöhnt den Hörer mit einer dreiteiligen Thrashsonate, die von einer Pyromanin handelt, die aus enttäuschter Liebe heraus als Feuerteufel ihr Unwesen treibt. Ein sakral anmutendes Mantra macht den Auftakt (Part I: Sangre Sani), in dem Robert Flynn (Gesang, Gitarre) die lateinischen Wörter „sangre sani“, „bellator inferni“, „caede“ und „edemarde“ rezitiert, die anschließend rücksichtslos von Phil Demmel (Gitarre), Adam Duce (Bass) und Dave McClain (Schlagzeug) in den Boden gestampft werden (Part II: I Am Hell), bis die Akustische das instrumental gehaltene Finale einläutet und den Track in klassischer Manier ausklingen lässt. (Part III: Ashes To The Sky). Zum Luftholen bleibt allerdings nicht viel Zeit, denn „Be still and know“ präsentiert sich als melodischer Thrashbolzen, der jede Sekunde seiner 5:43 Minuten zu nutzen weiß. Flynn mimt den wutschnaubenden Dirigenten, die restliche Mannschaft das von der Leine gelassene Orchester.

Bevor der Hörer jedoch aus dem in einen Hexenkessel verwandelten Konzertsaal treten darf, packt das tiefer gestimmte „Locust“ mit einem gnadenlosen Breakdown nach dessen Gurgel und schmettert das ahnungslose Individuum gegen die nächstbeste Betonwand, nur um kurz darauf in versöhnliche Gefilde auszubrechen und den roten Teppich für das „Damage Inc.“ von Machine Head auszurollen. „This is the end“ beginnt nämlich ähnlich wie Metallicas letzte Nummer auf „Master Of Puppets“ ruhig und gelassen, schießt dann aber urplötzlich aus allen Rohren und jagt trotz hymnischem Refrain über sämtliche Tempobeschränkungen. Mit „The darkness within“ folgt anschließend der ersehnte Fels in der stürmischen Brandung von „Unto The Locust“: Flynn singt mit gepresster Stimme zu dem mit balladesken Untertönen gespickten Midtempo-Trasher und sorgt damit für ein hochemotionales Gebilde, das zu einer epischen Konklusion gesteuert wird. Wer hier keine Gänsehaut bekommt, hört wahrscheinlich normalerweise Justin Bieber.

Kompromisslos heißt dann das Stichwort von „Pearls for swine“, das den Thrashhammer zückt und alles im Umkreis von mehreren Kilometern dem Erdboden gleich macht, während „Who we are“ zum Abschluss von einem Kinderchor samt Streicher eingeleitet wird und allgemein für einen seltsamen Ausklang von „Unto The Locust“ sorgt, da Machine Head zwar ordentlich nach vorne drücken, dies aber nicht mit klassischem Neo Thrash bewerkstelligen, sondern die Nummer schon fast in glatte Power Metal-Sphären ausbrechen lassen, die befremdlich und unpassend wirken. Nun gut, ein schwarzes Schaf kann man sich leisten, wenn der Rest dermaßen kompakt auf den Punkt gebracht wird wie in „Be still and know“ oder „This is the end“, zur Regel sollten Machine Head dies aber nicht verkommen lassen.

Sieben Tracks und nicht ganz 50 Minuten später kann trotzdem von einem weiteren grandiosen Werk der Maschinenköpfe gesprochen werden. „Unto The Locust“ dringt zwar nie in die progressiv-verschachtelten Welten eines „The Blackening“ vor und der Longplayer versteht sich wegen seiner melodiösen Ader mehr als Nachfolger zu „Through The Ashes Of Empire“, doch gerade das virtuose Zusammenspiel aus Melodie, Härte, technischer Versiertheit und Detailtreue macht die neueste Errungenschaft aus dem Hause Machine Head zu einer Platte, die viele Bestenlisten des Jahres 2011 schmücken wird und an der sich ganze Herrscharen an Bands in den folgenden Jahren messen müssen.

Anspieltipps:

  • This Is The End
  • Be Still And Know
  • The Darkness Within
  • I Am Hell (Sonata in C#)

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