Opeth - Heritage - Cover
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Opeth Heritage


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Durch seine sehr fordernde Art braucht das Werk viel Zeit, um sich ganz zu offenbaren.

„Opeth, die verbotene Frucht?“ – Die zehnte Observation von Opeth steht ins Haus, denn so nennen die Schweden ihre Alben, also eine augenblickliche Betrachtung ihres musikalischen Einflussbereichs, aus dem sie alles wie ein Schwamm aufnehmen, um es dann in vermischter Form preiszugeben, wenn der Schwamm gedrückt wird. Das Cover alleine verrät uns schon, dass diesmal so einiges anders sein muss, so farbenfroh und ausdrucksstark, ganz im Gegensatz zu den dunklen Motiven der Vergangenheit. Nicht ohne Selbstironie sind die Köpfe der Bandmitglieder als Äpfel auf einem Baum abgebildet. Per Wiberg, der Keyboarder, der die Band nach den Aufnahmen zum Album verlassen hat, fällt als überreife Frucht vom Baum, während die Reste der anderen Ex-Mitglieder von Opeth bereits auf dem Boden darunter residieren.

„Progressive Death Metal ist Teufelszeug?“ – Der Baum scheint eine direkte Verbindung zur Hölle zu sein, aus der die Äpfel über die Wurzeln ihre Säfte beziehen. Aber jetzt kommt‘s, auf „Heritage“ werdet ihr weder Death, noch Metal finden, keine Growlings, kein Grunzen, auch keine wütenden Riffs oder Schlagzeuggewitter. Wenn wir ehrlich sind, wurden die Death Metal Anteile auf den letzten Alben kontinuierlich zurückgeschraubt, nur wollte dies keiner so recht wahr haben. Es war auch nicht so auffällig, solange die Opeth-typischen Kontraste aus lauten und schnellen metallischen Parts mit den leisen, melodischen und akustischen die Musik geprägt haben. Das Growling war dabei nicht entscheidend, doch nun ist beides verschwunden, die Essenz von Opeth wurde über Bord geworfen. Was von diesen drei magischen Worten übrig bleibt ist nur Progressive.

Das Album dürfte die meisten überraschen, viele sogar ratlos zurück lassen. Es ist keine Fortsetzung von „Damnation“, es ist ein mutiger Schritt in eine andere Richtung. Das bunte Cover und der Titel „Heritage“, also das Erbe, geben schon ganz gute Anhaltspunkte, es handelt sich um das musikalische Erbe der 70er, ein Prog-Rock Album, das auf eine unglaublich konsequente Art die Auswirkung der Musik von damals auf die Musik von heute darstellt, oder genauer gesagt auf die Musik von Mikael Akerfeldt, der einmal mehr als Chef der Band alles komponiert hat. Wie schon auf „Watershed“ gibt es ein Intro, diesmal ein reines Klavierstück, aber mit „Marrow Of The Earth“ auch eine Art Gitarren-Outro. Dazwischen passiert allerhand irgendwo zwischen Prog und Art-Rock mit Reminiszenzen an Jethro Tull mit der typischen Querflöte („Famine“), an Led Zeppelin („Folklore“) und ein Tribut an Ronnie James Dio („Slither“).

„Heritage ist eine ambivalente Angelegenheit!“ – Einige Songs wirken unfertig, irgendwie sparsamer, jedenfalls für Opeth-Verhältnisse sind sie nicht so durchkomponiert wie sonst, dafür mehr improvisiert. Die Suche nach einprägsamen Momenten gestaltet sich schwierig, es tauchen nur wirklich wenige von Ihnen auf. Der Einstieg zu „Heritage“ wird daher vielen schwer fallen, vielleicht sogar nie gelingen. Nichts desto trotz hört sich das Album zweifelsohne nach Opeth an und bietet komplexe Kompositionen, die alles andere als Standards sind. Eigentlich kann man dieses Album nur lieben oder hassen. In jedem Fall beeindruckt der Mix des Albums, weil so viele kleine Feinheiten so phantastisch heraus zu hören sind, wie der brummende Bass und die leise hämmernde Hammond in „Nepenthe“. Steven Wilson(Porcupine Tree) (wer ihn nicht kennt möge bestraft werden) hat hier seine Finger im Spiel gehabt.

Das Opeth kein zweites „Watershed“ aufnehmen würde, war klar, denn sich zu wiederholen ist keine Option für die Schweden. De Frage aller Fragen in diesem Zusammenhang ist, ob dieses Album zeigt wie sehr sich Mikael vom Metal entfernt hat bzw. wie sehr ihn Steven Wilson beeinflusst hat, oder ob es doch „nur“ ein 70er Tributalbum ist, dessen Nachfolger wieder ein ganz anderes Gesicht haben wird. Ein abschließendes Urteil über „Heritage“ zu fällen, ist zu diesem frühen Zeitpunkt schwierig, denn durch seine sehr fordernde Art braucht es viel Zeit um sich ganz zu offenbaren.

Anspieltipps:

  • The Devil‘s Orchard
  • Folklore
  • Slither
  • Nepenthe

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