John Martyn - Heaven And Earth - Cover
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John Martyn Heaven And Earth


  • Label: V2/SOULFOOD
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Über die Toten soll man nicht schlecht reden. Zumindest nicht unnötigerweise. Das haben wir bei John Martyn auch gar nicht direkt vor. Sicher könnte man meinen, dass der im Januar 2009 verstorbene Brite früher den Karriere technischen Nagel an die Wand hätte hängen sollen. Gegen Ende seiner Laufbahn hatte Martyns Stimme nichts von ihrem Timbre verloren und auch die Stimmung war noch da, aber teilweise ließen sich Wörter nicht mehr identifizieren. Es ging beinahe nur noch um den Geist der Musik. Da John Martyn in diesem Punkt aber bis zu letzt als Trendsetter gesehen werden darf, nimmt ihm niemand krumm, dass er auch weniger schöne Brit-Folk-Fusion-Musik an den Tag gebracht hat.

Er war ein Vorbild für Phil Collins, wie man unschwer im Opener des Albums „Heel Of The Hunt“ erkennen kann. Auch die Nähe zu einem Eric Clapton oder Nick Drake ist in der Mischung aus Jazz, Blues, Funk und Folk leicht auszumachen. Martyn ging 2009 als eine der tragischen Figuren der modernen Populärmusik in die Geschichtsbücher ein. Dass er für Drake „Solid Air“ geschrieben hat, kurz bevor dieser verstarb und eben Vorbild für die genannten Größen war, ist weitestgehend unbekannt. „Heaven And Earth“ ist jetzt zwei Jahre nach dem Ableben des Musikers wie ein schlecht geratenes Porträtfoto des Briten.

Wer „Solid Air“ schon gehört hat – im besten Falle live – der weiß um die raue, aber ausdrucksstarke Stimme Martyns. Auf dem hier erschienenen Album ist kaum noch etwas davon geblieben. Keine langgezogenen Töne, die mit dem Timbre spielen und den Hörer einen Schauer verpassen. Auch wenn man schon früher damit beschäftigt war, die Texte irgendwie zu verstehen, ist dies heute der einzige Punkt, den es noch an Martyns Liedern auszumachen gibt. Jedes Lied ist wie ein unvorteilhaftes Foto, das nicht verdecken kann, dass es sich um einen talentierten Musiker handelt. Jeder der neun Songs mischt die oben genannten Einflüsse nahtlos und gekonnt. Allein fehlt die Emotion und die besonderen Ideen, um aus guten Handwerksstücken Kunstwerke zu schaffen.

Es ist für ganz alte Fans fast schon zum Tränen ergießen zu merken, wie John Martyn kaum noch die Zähne auseinander bekommt. Trösten tut da nur sein gebliebenes Gespür für seinen ganz eigenen Musikstil, der auch Clapton und Co. zu Weltruhm verhalf. Sammler können sich über überbliebenes Material freuen, doch wer neugierig geworden ist und sich dazu hinreißen lassen konnte, eine ältere John Martyn Aufnahme zu begutachten, der greift zu Best-Ofs oder alten Alben, um das Genie dieses Mannes richtig einschätzen zu können.

Anspieltipps:

  • Heel Of The Hunt
  • Could've Told You Before I Met You
  • Can't Turn Back The Years

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