Peter Gabriel - New Blood - Cover
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Peter Gabriel New Blood


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 78 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Eigentlich braucht Peter Gabriel mittlerweile zehn Jahre um eine CD mit neuer Musik zu veröffentlichen. Tja, das wird sich auch diesmal nicht ändern, denn sowohl das 2010 erschienene „Scratch My Back“ als auch das aktuelle „New Blood“ bieten keine neuen Songs vom ehemaligen Genesis-Sänger. Wahrscheinlich ist das alleine daran zu erkennen, dass die Titel der Alben nicht lediglich aus zwei Buchstaben bestehen. Neues Material wurde aber bereits angekündigt, so dass der Zehn-Jahres-Zyklus doch noch eingehalten werden kann.

Der Titel „New Blood“ erklärt sich und das Album quasi von selbst - neues Blut für alte Körper. Gabriel hat diesmal seine eigenen Songs in die Werkstatt genommen, das alte Blut abfließen lassen und mit neuem, orchestralem Blut aufgefüllt. Das scheint so ein typischer Punkt auf der Agenda von in die Jahre kommenden Musikern zu sein. To-Do-Liste, Punkt 3: Orchester-Album – abgehakt. Punkt 4: Cover-Album – vorgezogen und abgehakt, Punkt 5: Tribut-Album erzwingen – in Arbeit. Erst letztes Jahr hat Sting mit seinem Orchester-Album „Symphonicities“ ähnliches vorgemacht und mit „Live In Berlin“ noch gleich ein Konzert hinterher geschmissen. Der glatzköpfige Engländer fährt ein ähnliches Programm auf, denn neben der CD erscheint zwei Wochen später auch ein Konzert aus London als DVD, Blu-Ray und sogar 3D Blu-Ray. Im Kino wurde das ganze bereits vorgeführt.

Erstaunlich was der frische Körpersaft so alles bewirken kann, gleich zu Beginn zeigt „The Rhythm Of The Heat“ welche Intensität ein Orchester auffahren kann, man kann die sich aufs Gemüt auswirkende aggressive Hitze förmlich spüren. Gabriel macht keine halben Sachen, das ist jedem klar der seine Musik schätzt. Auch auf diesem Album wird er dieser Maxime gerecht, denn im Gegensatz zu vielen Alben auf denen das Orchester lediglich eine untergeordnete, begleitende Rolle irgendwo im Hintergrund spielt, gibt es hier nur das Orchester samt Peter Gabriel, kein Tony Levin und auch kein David Rhodes, einzig seine Tochter Melanie und Ane Brun singen bei einigen Songs mit. Egal ob im Thema einer Liebes-Filmmusik („San Jacinto“ und „Wallflower“) oder eher eines Dramas („Intruder“ und „Darkness“), diese Songs glänzen dank toller Atmosphäre.

Die Orchestrierung funktioniert in der ersten Hälfte des Albums wunderbar, bevor vermehrt einige Songs auftauchen, die einfach nicht dafür geschaffen sind. „Mercy Street“ zum Beispiel ist schon im Original eine leise Perle, deren intime Stimmung die neue Version nicht wiedergeben kann. Besonders die durch ihre fröhlichere oder melodischere Art auffallenden Songs profitieren von dieser Umsetzung nicht wirklich („Red Rain“, „In Your Eyes“). Wirklich schlimm ist eigentlich nur „Don’t Give Up“, da passt weder die Stimme von Brun noch die Orchestrierung (Triangel!). Hätte Gabriel einige bekanntere Songs substituiert, wäre die CD-Ausgabe von „New Blood“ eine rundere Angelegenheit geworden, denn auf dem Konzert kamen noch andere Songs vor, die hier durchaus einen Platz verdient hätten. (Was macht „Blood Of Eden“ auf der instrumentalen Bonus-CD der Special Edition?)

Das eigentliche Ende des Albums ist das ruhige, rein instrumentale „The Nest That Sailed The Sky“, denn „A Quiet Moment“ ist das wonach es sich anhört, ein Hauch von Nichts, eine kleine Ambient-Pause vor dem Bonussong „Solsbury Hill“, der natürlich vorne und hinten nicht zum Rest passt, aber wohl zwangsmäßig auf die CD musste. In vielen neuen Versionen der Songs holt das Orchester ein Maximum an Spannung heraus, sie werden sozusagen überdramatisiert und verlieren dadurch auch ihre ursprüngliche Wirkung. Nur wenn der Hörer in der Lage ist sich völlig von den Originalen zu lösen, kann er dieses Album anfangen zu mögen. Aber auch dann kann er zum Entschluss kommen, dass einiges einfach übertrieben pompös und aufgebläht ist.

Anspieltipps:

  • The Rhythm Of The Heat
  • San Jacinto
  • Intruder
  • Darkness

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