Richmond Fontaine - The High Country - Cover
Große Ansicht

Richmond Fontaine The High Country


  • Label: Decor Records/INDIGO
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
3.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Heilsbringer des Cowpunk, des Americana und vielleicht sogar des Country-Folks: All das hat die Presse in den letzten Jahren über die Band Richmond Fontaine berichtet. Die besondere Stärke der Band ist dabei das Songwriting von Bandleader Willy Vlautin. Vlautin, Autor des Buches „The Motel Life“ (in Deutschland als „Motel Life“ erschienen), das nun auch verfilmt wird (u.a. mit Dakota Fanning), ist das Schreiben nun endgültig zu Kopf gestiegen. „The High Country“ ist ein Konzeptalbum und teilweise schon ein Hörspiel mit musikalischer Untermalung.

Ob nun das Intro „Inventory“ oder Stücke wie „The Meeting On The Logging Road“ und „Claude Murrays's Breakdown“ sind nichts Anderes, als Gesprochenes, mit zwei, drei Akkorden im Hintergrund. Dazu gesellen sich noch zwei Minimal-Balladen („Let Me Dream Of The High Country“, „I Can See A Room“) und jede Menge Instrumental-Stücke, die ganz nett wirken und die erzählte Gescichte unterstützen. Die Geschichte selbst wirkt allerdings an so viele Orte verteilt, dass sich nur ein Fragment artiges Bild erkennen lässt. Büchner-Leser mit Englischkenntnissen frohlocken, der Rest der Welt rätselt vor sich hin. Ob Vlautin absichtlich eine so unverständliche Geschichte wie Joyces „Finnegans Wake“ erzählen wollte, ist bei der recht einfachen, emotionalen Story fragwürdig.

Auf musikalischer Ebene teilt das Album das Schicksal eines jeden Konzeptalbums. Die Lieder wirken wie ein Fluss und so ist es schwer, den einzelnen Tracks ihre alleinstehende Daseinsberechtigung mit auf den Weg zu geben. Im Fall von „The High Country“ trifft dies ganz extrem zu. Nur eine handvoll Lieder(„The Chainsaw Sea“, „The Mechanic Falls In Love With The Girl“, „The Eagles Lodge“, „Lost In The Trees“, „On A Spree“ und „The Escape“) kann man als alleinstehende Songs ausmachen und den meisten davon fehlt die Eigenständigkeit. Der Abschluss „The Escape“ und auch „The Eagles Lodge“ kann man als richtig gute Folk-Rock-Lieder durchgehen lassen, aber beim Rest handelt es sich um bloße Track-Schablonen, die den Text tragen sollen, welcher wiederum die Story weiter stricken soll.

Wären Richmond Fontaine die erste Band, die ein solches Konzeptalbum auf den Markt werfen, könnte man noch einen Innovationsbonus erteilen. So fragt man sich allerdings, was die Band mit der neuen Scheibe erreichen wollte. Löblich ist die Konsequenz mit der das Gefühl einer erzählten Geschichte aufrecht gehalten wird. Allerdings ist ein gutes Konzept ohne brauchbares Material nichts wert und wenn man nicht gerade Konzept-Purist ist, dann wird man einsehen müssen, dass es „The High Country“ an Sogkraft und Höhepunkten fühlt. Während „Leaving“ soll vorm geistigen Auge der Abspann laufen, nur sieht man außer einer vernebelten Baumlandschaft nicht viel. Und die ist schließlich auf dem Cover zu sehen.

Anspieltipps:

  • The Escape
  • Lost In The Trees
  • The Eagles Lodge

Neue Kritiken im Genre „Americana“
Diskutiere über „Richmond Fontaine“
comments powered by Disqus