Julia Marcell - June - Cover
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Julia Marcell June


  • Label: Haldern Pop/CARGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die in Berlin ansässige polnische Sängerin Julia Marcell (eigentlich Julia Gorniewicz) holt zu ihrem Zweitschlag aus. Zweitschlag deshalb weil das neue Album in eine deutlich andere Kerbe schlägt. Wo sind die schönen Art-Pop-Balladen des Vorgängers „It Might Like You“ hin mit all den Klaviertönen und Streichinstrumenten? An deren Stelle sind teils heftige Beats und Elektroelemente getreten. Die erzählerischen und malerischen Elemente mussten somit den rhythmischen und experimentellen weichen. Welch große Rolle das Schlagzeug und seine Rhythmik auf „June“ einnimmt, kann sich ein jeder im Titeltrack überzeugen, der einen ziemlich übertriebenen Drumsound besitzt, oder das auf einer relativ monotonen rhythmischen Struktur aus Schlagzeug und Bass basierende „Crows“. Daneben gibt es Songs, die deutlich in die Elektroschiene abdriften, wie das Beatlastige „Ctrl“ oder der quietschende Elektropop von „Shhh“.

Aber sie blitzen noch durch, die erzählerischen Momente, besonders wenn Julia klassischere Instrumente verwendet, wie im leicht pompösen „Aye Aye“ mit Streichern und Bläsern oder in „Echo“ mit Klavier und polnischem Hintergrundgesang. Die erste Single des Albums „Matrioszka“ ist mit einem sehr coolen Flötenmotiv ausgestattet und einer Julia, die so ziemlich nach Björk klingt. Im polnischen Radio hat dieses Lied seine Verbreitung gefunden, denn nach wenigen Genüssen bleibt es tatsächlich im Ohr hängen, besonders diese zwei seltsamen Textzeilen „I’m too light and you’re too soon – let me in the other room“. Matrioszka ist übrigens die polnische Schreibweise für die weltweit bekannten einfachen russischen Holzpuppen, die man ineinander stecken kann.

Frau Marcell hat sich anscheinend auch mit traditioneller indonesischer Musik befasst, denn „Gamelan“ werden die Musikinstrumentenensemble in diesen Breitengeraden genannt. Tatsächlich hat jedes Instrument in diesem Lied seine bestimmte Funktion und ähnelt dieser besonders aus Bali bekannten Musik, wenn auch in einer light-Variante für den westlichen Hörer. Hier ist eine junge, begabte Künstlerin am Werk, die die Erforschung ihres musikalischen Kosmos (siehe Cover von „It Might Like You“) gerade erst begonnen hat. „June“ ist dabei ein sehr vielseitiges Werk, dass sehr viel ausprobiert. Gleichzeitig lässt sich aber auch nicht verbergen, dass gerade diese mit neuen elektronischen Facetten ausgestatteten Songs nicht so wirklich zünden wollen.

Anspieltipps:

  • Matrioszka
  • Aye Aye
  • Echo

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