Leszek Mozdzer - Komeda - Cover
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Leszek Mozdzer Komeda


  • Label: ACT Music/EDEL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der polnische Keith Jarrett, wie er gerne in Jazzkreisen genannt wird, zieht in seinem Heimatland scharenweise Menschen zu Konzerten an. Viele der Besucher verstehen den Jazz gar nicht, es ist mehr ein Sehen und Gesehen werden, denn Mozdzer ist hoch angesehen, ein wahrer Star in Polen, da lassen sich einige Leute gerne auf den Konzerten blicken. Insofern wundert es nicht, dass er gerne als künstlerischer Leiter für Jazzfestivals engagiert wird, können so sowohl viele Zuschauer als auch renommierte Jazzkünstler angelockt werden. Beim Enter Music Festival in Poznan hat dies hervorragend funktioniert, wo Mozdzer sein erstes ACT-Album „Komeda“ zusammen mit Mino Cinelu vorstellen konnte.

Auf der CD-Version sitzt Mozdzer solo am Piano und interpretiert, wie schon der Titel hinweist, die Stücke von Krzysztof Komeda, einem der wichtigsten Jazzmusiker in der Geschichte Polens. Seine Musik dürfte einem größeren Publikum vor allem aus den Roman Polanski Filmen bekannt sein wie z.B. Rosemary‘s Baby oder Knife in the water. Leszek Mozdzer hat sich nun an die Stücke des 1969 verstorbenen Pianisten getraut, seine persönliche Wahl getroffen und lässt die Stücke in einem neuen Licht erstrahlen. Wer Mozdzer kennt, egal ob von seinem Soloalbum „Piano“ oder seinen Werken zusammen mit Lars Danielsson, wird seine Handschrift schnell wieder erkennen. Seine typische charakteristische Anschlagstechnik und diese lyrische Leichtigkeit der Noten, egal wie komplex die Motive sind, verbindet sich mit den voller Tiefe und sachter Schönheit strotzenden Kompositionen Komedas zu einem wahren Hörerlebnis.

Vom Aufbau erinnert „Komeda“ an „Litania“, ein 1997 aufgenommenes Tribut an Komeda von seinem ehemaligen Wegbegleiter Tomasz Stanko, doch vergleichbar sind die beiden Werke nicht. Stanko spielte im Septet eine wahre Freejazz-Orgie ein, während Mozdzer auf der Grenze zwischen Jazz und Klassik tänzelt und jede einzelne Note zelebriert. Seine Variation der Akzentuierung durch Anschlag, Lautstärke und Pausen verleiht den Stücken eine solche Unbeschwertheit und Freiheit, dass selbst ein „Crazy Girl“ alles andere als verrückt wirkt. Alle Stücke stehen für sich selbst, fügen sich aber zu einem großen Ganzen, da verbietet es sich einzelne davon herauszuheben. Auffällig ist aber das abrupte Ende des letzten Stücks, worauf Leszeks Aussage auf Polnisch zu hören ist, dass das Stück gar nicht mal so einfach ist. Ganz im Gegensatz dazu wird der Hörer denken, wie spielend einfach es Mozdzer gelungen ist ein starkes Tribut an diesen wichtigen Jazzmusiker aufzunehmen. Hoffentlich wird „Komeda“ dazu beitragen Mozdzer auch über die Grenzen Polens hinaus populärer zu machen.

Anspieltipps:

  • The Law And The Fist
  • Sleep Save And Warm
  • Crazy Girl

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