Cäthe - Ich Muss Gar Nichts - Cover
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Cäthe Ich Muss Gar Nichts


  • Label: DEAG/Sony Music
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Cäthe will nicht kuschelig und leicht klingen.

Der Schein trügt. Dieses Sprichwort gilt für Neuling Catharina Sielands Stimme im wahrsten Sinne des (gesungenen) Wortes. Ina Deter ist wahrscheinlich stolz, wenn sie dieses Reibeisen von Frau hört, das sich den Künstlernamen Cäthe gegeben hat. Allein von ihrer Stimme her kann man Cäthe schon als nichts Anderes mehr als eine Pop-Punkerin nennen. Wem die Stimme und die poppige Musik als Beweis nicht genug ist, dem sagt die Hamburgerin ins Gesicht: „Papa, Gott sei Dank, bin ich nur ein kleiner Punk!“ („Unter Meiner Haut“)

Der Eröffnung fehlen Höhen und Tiefen, möchte man bei mehrmaligem Hören meinen, doch Cäthe drückt den Hörer mit ihrer Stimme und ihrer Art schlicht an die Wand, so dass der Song einem übervoll scheint und gar keinen Platz für Experimente lässt. Als Eröffnung ist dieser Schlachtruf von Lied genau das richtige, um darauf vorzubereiten, was noch kommt. Dreckiger Punk-Pop mit heftigen Bässen, die Tanzbeine zum Schwingen bringt. „Senorita“ hält sich in dieser Hinsicht noch zurück und ist dafür ein wunderbares Beispiel für eine experimentelle Pop-Ballade. Der eher rockige und mit Störgeräuschen arbeitende Stil der meisten Lieder zündet nicht immer (siehe „Kaugummi“, welches erst im letzten Drittel begeistert), ist aber ein solides Gerüst für frechen Pop. „Wahre Liebe“ ist endlich wieder ein Liebeslied, das nicht genauso klingt, wie man es vom Titel erwartet. Nein, die Bridge ist für schwache Nerven sogar zum Fürchten.

Cäthe will gar nicht kuschelig oder einfach und leicht klingen. Viel zu sehr spürt man, wie die junge Dame mit jeder Faser ihres Körpers ihren Text in die Welt hinaus schreit. In „Ding“ lässt sich ganz genau erkennen, wie groß die Unterschiede zwischen der lasziven (die das anschließende „Ewige Braut“ dominiert“), der kämpferischen und der sanften Cäthe eigentlich sind. „Ewige Braut“ schafft es neben einer guten Geschichte allerdings nicht sich musikalisch über die Zeit zu retten. Der Track tropft so vor sich hin, wie ein Wasserhahn der weder auf- noch abgedreht wurde. Da funktioniert eine rau-süße Nummer wie „Tiger Lilly“ gleich besser. Die markante Stimme Cäthes hat sich nach 15 Minuten einfach längst in den Gehörgang gebrannt.

Wichtig für Cäthe wird sein, dass sie es schafft ihre Stimme in verschiedene Klanggewänder einzuebnen. Der sexy Punk-Pop steht ihr verdammt gut, doch was auf diesem Album wunderbar funktioniert und eine Nische darstellt („Leicht Schwer Zu Sein“, „Spirituell“) kann auf Dauer eintönig werden. Dass mit „Bleib Hier“ noch eine funktionierende Ballade auf dem Debüt vertreten ist, mach noch mehr Hoffnung für die talentierte Sängerin. Das Debüt knallt ohne zu stottern und zu stolpern, wobei auffällt, dass die leichteren Pop-Nummern nicht ganz so knackig wirken und dass es von den Punk-Pop-Tracks auch nicht mehr hätten sein dürfen. Aber der letzte Punkt ist Kritik für die Zukunft und so kann man zum Debüt greifen ohne lang zu zögern.

Anspieltipps:

  • Senorita
  • Wahre Liebe
  • Sprituell

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