Boots Electric - Honkey Kong - Cover
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Boots Electric Honkey Kong


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 32 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Jesse Hughes hat mit den Eagles Of Death Metal seinen eigenen Rock’n’Roll-Traum erfüllt bekommen – vom High-School-Loser zum Lady Lover. Was nicht zuletzt an der gütigen qualitativen Mittäterschaft von Rock-Promi Josh Homme liegen dürfte. Jetzt wagt sich der schnauzbärtige Rocker an ein Solodebüt und hätte es doch lieber gelassen.

Zumindest hätten wir so genau gar nicht wissen brauchen, dass Hughes große Lebensziele relativ substanzlos aus ewig profanen Spaß und ewig wahlloser Libido bestehen. Nicht dass das gleiche nicht auch bei den Eagles Of Death Metal kommuniziert würde, dort nur ist es, weil aufgeteilt auf verschiedene Bandschultern, wesentlich zwingender und vor allem auch witziger unterbreitet.

Hughes mag die Frauen, Hughes mag den Alkohol, Hughes mag seine weite, US-amerikanische Freiheit. Was Hughes alles mag ist total interessant. Und unglaublich neu. Und so steht ihm sein Honky Tonk-Glam-Rock, der eine bindende Tanzaufforderung transportiert, natürlich ausgesprochen authentisch gut. Mit „Complexity“ beginnt es auch relativ verheißungsvoll, will heißen, der Einstieg ist nett, wie ein warm-up-drink. Dem Albumnamen gerecht werden dauerklimpert das Keyboard, während die Riffs übersteuert in Fuzz-Bereiche jenseits von ernster Rock-Männlichkeit augenzwinkernde Kindlichkeit suggerieren. Sixties, Country, Pop, Disco und Retro-Rock: alle Stile weiß Produzentenlegende Money Mark einheitlich zu bügeln, so dass der Widererkennungswert bleibt. Der Theme-Song mit Homme-Gattin Brody Dalle von Spinnerette klingt vielleicht deshalb ganz passabel, weil Hughes nicht alleine singt. Hughes Gesangsleistung ist nach wie vor das euphemistisch gesprochen unspektakulärste an seiner Musik, womit wir dem Kern näher kommen, warum „Honkey Kong“ nicht funzt, wohl aber das Gros seiner Eagles Of Death Metal-Songs.

Leichter Tüdelidü-Rock mit Kirmes-Melodien entlarvt das so viel nicht dran ist an Hughes, sagen wir, Musikalität. Bei den EODM verkleiden gestandene Musiker wie Dave Catching – Vorsteher und Bewohner der Rancho de la Luna, jener Wüstenstudioinstitution in der kalifornischen Verlassenheit um Palm Springs, wo so viele Stoner-Rock-Album entstanden, aber auch die Arctic Monkeys oder The Duke Spirit zum Erleben des mystischen Aufnahmeprozesses schon vorbeischauten – oder eben Rock-Retter Josh Homme die tendenziellen Plattheiten in cooles Rock-Understatement, weil sie es können: eine Idee zwingend und sexy klingen zu lassen. Hughes ohne die Qualitäts-Freunde indes entblößt viel Peinlichkeit.

Die angesprochenen Kirmes-Melodien auf „Love You All The Thyme“ und „Dreams Tonight” oder der sich experimentierfreudig gebende Quatsch-Rock bei „You’ll Be Sorry“ und „Trippy Blob“ sind kaum zu ertragen. Auch augenzwinkernde Satire braucht Niveau. Jesse Hughes, man kann sich nach Konsum von „Honkey Kong“ des Gefühls nicht erwehren, geht es zu gut mit seinem fleischgewordenen Rock’n’Roll-Traum.

Anspieltipps:

  • Complexity
  • Boots Electric Theme

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