Evanescence - Evanescence - Cover
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Evanescence Evanescence


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Lange war es still um die Formation rund um Frontfrau Amy Lee. Das letzte Album „The Open Door“ (9/2006) liegt bereits Jahre zurück und konnte an die Erfolge des Debütalbums „Fallen“ nicht anknüpfen. Immer wieder zog sich die Sängerin ins Studio zurück, bis schließlich der Entschluss feststand, die gesamte Band am Entstehungsprozess der Lieder aktiver zu beteiligen. So ist das vorliegende Album ein Gesamtkunstwerk, das entgegen der Gewohnheit der Fans nicht nur aus der Feder der Sängerin entspringt. Die Erwartungen sind entsprechend hoch und die Neugierde groß, vor allem weil Amy Lee selbst über Twitter verkündete, dass die Fans mit einem völlig neuen Klangbild rechnen könnten.

Schon die erste Single Auskopplung „What You Want“ bestätigt diese Aussage. „Evanescence“ klingt rockiger, gitarrenlastiger und stimmlich leider auch ein wenig einseitiger, da Sängerin Amy Lee nicht ihre volle Klangbreite ausschöpft. Ähnlich bleibt leider auch die Grundstimmung des Albums. Gleiche oder sehr ähnliche Schlagzeugrhythmen bestimmen die Songs. Auch die Gitarrenlinien sind sich teilweise sehr ähnlich, so dass einige Male der Übergang von einem Song in den nächsten kaum auffällt (z.B. von „What You Want“ zu „Made Of Stone“).

Glücklicherweise erkennt man trotz einer gewissen Einseitigkeit immer noch jene Motive wieder, die man an Evanescence schätzen und lieben gelernt hat. Bricht Amy Lee einmal aus der schmalen Melodiebreite aus, darf man sich an ihrer gefühlvollen, aussagekräftigen Stimme erfreuen, die nach wie vor unter die Haut geht. Auch die typischen Klavierballaden in der Tradition von „My Immortal“ oder „Good Enough“ dürfen auf diesem Silberling nicht fehlen. Vor allem „Lost in Paradise“ tritt die Nachfolge dieser großen Songs gebührend an und sorgt für den nötigen Gänsehautfaktor des Albums. „Swimming Home“ steht ebenfalls ganz im Zeichen der großen Balladen, zeigt jedoch durch den Einsatz von Synthesizern eine ganz neue Seite der Band.

Auch Songs „Erase This“ oder „End of the Dream“ sorgen für eine gewisse Abwechslung, so dass sich nach anfänglicher Sorge mit Einheitsbrei konfrontiert zu werden, doch ein passables Album entfaltet, dass Spaß macht und auf den nötigen Ebenen an seine Vorgänger anknüpft. Der Teufel steckt jedoch immer wieder im Detail. Seien es die Bedeutung der Lyriks oder Mehrstimmigkeit, bei genauem Hinhören findet man immer wieder liebevolle Einzelheiten, die vor allem die oberflächlich so ähnlich klingenden Songs zu differenzieren wissen.

Es steht zu befürchten, dass Evanescence mit ihrem neuen Silberling nicht an die Erfolge ihres abwechslungsreichen Debüts anknüpfen können. Allerdings kann man den Musikern bei genauer Betrachtung ein solides Album attestieren, das durchaus Spaß zu bereiten weiß.

Anspieltipps:

  • What You Want
  • The Change
  • Lost In Paradise
  • New Way to Bleed
  • Secret Door

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