Kelly Clarkson - Stronger - Cover
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Kelly Clarkson Stronger


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 62 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Kelly Clarkson hat es trotz ihrer großartigen Stimme immer noch nicht geschafft, sich ein musikalisch eigenständiges Erscheinungsbild anzueignen.

Als Kelly Clarkson (29) aus ihrem 2011er Sommerurlaub zurück nach Hause kam, musste sie eine böse Feststellung machen. Sie wurde bestohlen! Und zwar landete ein riesiges Bündel an Demos und fertigen Songs im Internet, darunter einige, die schon rund zehn Jahre auf dem Buckel haben, aber auch viele brandneue Stücke für das kommende Album „Stronger“. Zwei randvolle CDs kamen so für den schnellen Jäger und Sammler zusammen, der sich die Songs aus dem Netz zog, bevor sie wieder verschwunden waren.

Die Klangqualität der Bootleg-Tracks ist dabei erstaunlich gut (zum Teil Studioqualität). Sie decken verschiedene Stilbereiche von Pop, Country über Dance bis Rock ab und stellen ein wahres Schatzkästchen dar, weil sich unter den 36 (!!) Songs erstaunlich viele Hitkandidaten befinden, die bis dato weder auf einem der bisherigen noch auf dem aktuellen Werk offiziell veröffentlicht wurden. Dagegen ist die Bonus-EP, die zusammen mit dem 17 Songs umfassenden „Stronger“-Album im Kelly-Clarkson-Shop erhältlich ist, ein schlechter Witz.

„Stronger“ ist eine musikalische Verarbeitung von Beziehungsproblemen, aus denen Kelly Clarkson am Ende gefestigt und stärker hervorgeht. Die Erkenntnis daraus ist auch gleichzeitig als Untertitel des ganzen Albums anzusehen: „Was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker”. Entsprechend tritt Kelly Clarkson als Powerfrau mit Power-Popsongs auf, die ihr u.a. von Ester Dean (Britney Spears, Katy Perry, The Pussycat Dolls), Greg Kurstin (P!nk, All Saints, Natasha Bedingfield) und Rodney Jerkins (Michael Jackson, Britney Spears, Beyoncé, Jennifer Lopez) auf den Leib und ihre Ausnahmestimme geschrieben wurden. Denn diese macht immer noch den Unterschied aus, wenn es zu Vergleichen mit ihren Genrekolleginnen kommt.

Mit ihrem Organ kann Kelly Clarkson auch einen schwächeren Song retten, von denen es gerade zu Beginn des Albums (abgesehen von der ersten Singleauskopplung „Mr. Know it all“) den einen oder anderen zu überwinden gilt („Dark side“, „Honestly“), ehe die Formkurve mit „Einstein“ nach oben zeigt und mit „Standing in front of you“ der erste (wenn auch balladeske) Höhepunkt auf den Hörer wartet. Danach ist der Knoten geplatzt und Power-Popsongs der Marke „I forgive you“, „The war is over“, „You can’t win“, „Don’t be a girl about it” und Balladen wie „Breaking your own heart” und „The sun will rise” – wie man sie von Kelly Clarkson kennt – ziehen das Album knapp aus dem Durchschnittsbereich in solide Gefilde.

Doch neue Erkenntnisse bringt das leider auch nicht. Kelly Clarkson hat es trotz ihrer großartigen Stimme immer noch nicht geschafft, sich ein musikalisch eigenständiges Erscheinungsbild anzueignen, das sie deutlicher von den Avril Lavignes und Miley Cyruses dieser Welt abhebt. Das liegt gewiss an den Songwritern, die Gott und die Welt im Pop-Business mit Songs versorgen, aber auch an ihrem Label, das Kelly Clarkson in eben jenem Pop-Fahrwasser haben will, in dem sie auch mit „Stronger“ schwimmt. Dabei wäre künstlerisch durchaus mehr drin. Jede Wette!

Anspieltipps:

  • Einstein
  • You can’t win
  • The war is over
  • The sun will rise
  • Don’t you wanna stay
  • Don’t be a girl about it
  • Standing in front of you

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