The Horrible Crowes - Elsie - Cover
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The Horrible Crowes Elsie


  • Label: Side One Dummy/CARGO
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit der 2005 gegründeten und zwei, drei Jahre später in Form der Alben „Sink Or Swim“ sowie „The ´59 Sound“ und der EP „Senor And The Queen“ vor Hingabe der stetig wachsenden Fangemeinde durch die Decke gehenden Punkrock-Formation The Gaslight Anthem gelang dem singenden Gitarristen Brian Fallon ein Erfolgszug. Erst durch die amerikanischen, dann durch die europäischen Clubs tourend, kamen seit 2008 riesige Festivals und eben auch deutlich größere Hallen dazu. Die Melange aus country-lastiger Storyteller-Attitüde, dem ein oder anderen Bruce Springsteen-Vergleich zuviel und eindrucksvollen Punkrock-Hits für die Ewigkeit machte die verdiente Runde. Auch wenn das letztjährige Werk „American Slang“ die Bissigkeit vernachlässigte, fanden sich darauf wieder einprägsame Zeilen aus dem Leben und erdige Songstrukturen.

Zusammen mit seinem ehemaligen Roadie und vor allem Freund Ian Perkins hat Brian Fallon nun The Horrible Crowes ins Leben gerufen, ein Duo, welches um befreundete Musiker auch aus dem Umfeld von The Gaslight Anthem ergänzt wird und trotz der vollmündigen Ankündigungen, den dunklen Soul abseits der Hauptband zu erklimmen, erstaunlich blass bleibt. Die „Last Rites“ zum Auftakt stecken noch voller sakraler Eleganz, ja Spannung. Zu schade, dass es sich dabei „nur“ um das Intro handelt, denn ganz sicher ist die Erwartung, von verheißungsvollen andersartigen Umschreibungen seitens Fallon noch angespornt, nicht gerade gering.

Doch schon „Sugar“ setzt bei den Balladen Gaslight Anthems an, verarbeitet ausholende Percussions und filigran-melodisches Gitarrenspiel, die Hymne zur Fahrt stadtauswärts immer im Hinterkopf. Nur nach dem vom Songwriter selbst beschriebenen „Experiment with the darker side of soul music“ klingt das alles so gar nicht, „Behold The Hurricane“ als dritter an der Reihe ebenso nicht wie der Großteil der anderen Songs. Letzterer beinhaltet den Punk-Spirit im Folk-Kontext, geht rockig ins Mark und bleibt erneut der Hauptband näher. Überstrapaziert werden auch die „Oooh“-Chöre, von denen The Horrible Crowes nicht genug bekommen, der Hörer aber schon.

Allein die Orgeln und der tatsächlich durchscheinende, sakrale Soul in „I Witnessed A Crime“ oder die im richtigen Maße eingespannten Streicher aus „Go Tell Everybody” retten den Longplayer schon zur Halbzeit vor einer ernüchternden Niederlage. Sicherlich ist die Erwartungshaltung seitens des Hörers nichts, aus dem man den Herren einen Strick drehen kann, jedoch ist es der halbgare Entwurf von Soul-Musik, der zu selten wirklich die entsprechende Weite sucht, sondern stattdessen beengt im Folk mit Rock im Gepäck sein Dasein fristet. Über „Elsie“ steht nichts desto trotz der Stern eines tollen Songwriters, feinsinniger Instrumentierung und ein Vorschuss, dessen Schatten manchmal eben doch zu mächtig ist.

Anspieltipps:

  • Behold The Hurricane
  • I Witnessed A Crime
  • Mary Ann
  • I Believe Jesus Brought Us Together

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