Chris Spedding - Pearls - Cover
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Chris Spedding Pearls


  • Label: Repertoire/H'ART
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Leonard Cohen. Klingelt es da? Tiefe Stimme, berühmtes „Hallelujah“-Cover. Na? Ganz so weit oben in der Songwriter-Hierarchie steht ein Chris Spedding zwar nicht, aber das hat höchstens kommerzielle Gründe. In 42 aktiven Jahren hat der Engländer so ziemlich allen Musikstilen der organischen Art gehuldigt, tut dies mit „Rhumba“ auf ganz entspannte Weise auch auf seiner neuesten Platte und kann auf eine bewegte, lange und immer noch anhaltende Karriere schauen, um die man ihn einfach nur beneiden kann.

„Pearls“ ist eine Ansammlung von Einflüssen, die den inzwischen 67-jährigen Musiker im Laufe seiner Laufbahn beeinflusst haben. So, wie das gerne mit solchen Alben ist, mag man es auch hier erahnen: Ein oberflächlicher Überblick, der gerade handwerklich sehr stark ist. Meistens fehlen solchen Alben aber die ganz großen Hits, die vor neuen Ideen strotzen oder das bisher gebrachte auf neue Art perfektionieren. Bevor wir uns aber in „wenn“ und „aber“ verrennen schlägt „Not Love“ die Zweifel geradezu brutal nieder. „Not Love“ klingt so sexy wie Cohen zu besten Zeiten (die immer noch nicht vorbei sind) und so verspielt, aber routiniert jazzig, wie man es im – im besten Sinne – von solche einem erfahrenen Musiker erwartet.

So staubig können Gitarren auch bei aalglatter Produktion gedeihen. „Not Love“ ist eine Hymne an den Blues, sowie „Rhumba“ an... nun, das kann man sich wohl denken. „Rhumba“ gibt sich jedoch verhaltener und spielt nicht so mit dem Genre, wie es der Opener tut. Dafür zappelt der reife Herr in Muddy Waters „Louisiana Blues“ wieder wie ein junger Fisch im Wasser und fühlt sich hörbar wohl. Die durch die Prärie klagenden Gitarren prägen auch den Rest des Albums und ganz besonders den Titeltrack, der als gemütlich verführerische Ballade das Pferd von hinten aufzäumt. Das anschließende Trio aus Instrumental-Songs verdeutlicht nochmals Speddings Liebe zu Jazz („Cherry“), Blues („Air Guitar Woogie“) und liefert mit „The Train And The River“ richtiges Kopfkino, so wie Bläser und Gitarre zum Vorstellen und Träumen einladen.

Davon abgekapselt präsentieren sich auch noch „Drippin's“ und „Don't That Pretty“ als ruhige Blues- und Jazz-Komponenten, bevor der Abschlusstrack „Flat Top Floogie“ echten Rock’n‘Roll über die Saiten flitzen lässt. Die zweite Hälfte des Albums, also jene mit Gesang, versucht dann noch mit Americana („Abuse“), der von Wilco stammen könnte und einem Upgrade des Titeltracks aufzutrumpfen. Und was soll man sagen? Es funktioniert einwandfrei. Chris Spedding liefert einen vielschichtigen Überblick über seine Karriere ohne sich lediglich zu wiederholen. Ein Album wie „Pearls“ ist so etwas wie die erfreuliche Variante zu einem Best-Of-Album. Da kann man nur wünschen: Auf die nächsten 42 Jahre!

Anspieltipps:

  • Not Love
  • The Train And The River
  • Pearls (Reprise)

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