The Duke Spirit - Bruiser - Cover
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The Duke Spirit Bruiser


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ihrer Namensgebung entsprechend haben die The Duke Spirit etwas Erhabenes. „Nur“ aller drei Jahre ein Album, erweisen sie uns nun mit „Bruiser“ ihr gravitätischstes Werk. Ihr psychedelisch gekleideter, nicht zu schneller, nicht zu langsamer, grundsolider Alternativ-Rock bezeugt eine Souveränität die sich gut anfühlt, und ferner sich selbst gut fühlen lässt. Wohltemperiert ist nicht nur der Duke-Spirit-Sound, auch die Gefühlsverarbeitung findet eine stimmige Entsprechung. Rock, zumal psychedelischer, an eine zeitgemäße Fassung von Velvet Underground erinnernder, ist durchaus nicht zum Spaß da. Und so verarbeitet die tüchtige Liela Moss auch hier wieder ihr Scheitern mit Liebe, ihre Suche nach neuer und die damit verbundenen zaghaften Hoffnungen ohne dabei naiv-euphorisch, oder depressiv-pessimistisch zu werden.

Die Londoner Duke Spirit bleiben sich sehr konsequent also. Was bei vielen ein Stillstandmakel wäre, ist bei den sich mit adäquaten Mischungsverhältnissen auskennenden Duke Spirit indes ein Gewinn: Solidität und Konstanz, The Duke Spirit beweisen es uns, kann eine Tugend sein.

Moss’ großes Plus, ihre stimmliche Vielseitigkeit, erfährt dabei auf „Bruiser“ neue Höhen. Egal wie balladesk die Band wird, oder aber im fünften Gang den Wüstenhighway gen Sonnuntergang entgegen cruist, immer behält sie in beeindruckender Qualität die stimmlichen Zügel in der Hand, entgleitet ihr keine Gefühlssituation. Der Schlüssel zur Würde dieser Band ist eindeutig Moss und ihre Gesangsleistung. Ihre weiblich leicht tiefer gelegte Stimme passt zum staubigen Alternative Rock, keine Frage, aber sie ist im Grunde nicht sensationell. Sie ist kein seltenes Talent, wie das Kehlchen Joss Stones meinetwegen, doch sie erwirkt mit viel Leidenschaft, Arbeit und Authentizität eine kinderleichte Kompensationsleistung zu den meisten Rock- und Pop-Stimmen im Business, die auf nichts als ihrem Talent gebucht sind.

Wie der Bandmotor in „Cherry Tree“ formidabel Introduktion betreibt und langsam, stetig und in rhythmisch gekonnter Absprache warm läuft, während Moss sich dazu „einsingt“ und liebestechnisch keine Kompromisse macht, wenn sie bekennt „I don’t look back, why would you?“, greift der Gesamterfahrung auf „Bruiser“ gelungen voraus. Können steht hier vor Talent. „Villain“ als balladeskes Beispiel erzeugt genauso Spannung wie klassische Rock-Songs für das Live-Set, wie etwa „Surrender“ und „Running Fire“. Ob Up- oder Downtempo-Nummern, „Bruiser“ hat keine eklatante Schwäche, indes aber auch keine herausragende Stärke, obwohl freilich der Opener, das hymnische „Don’t Wait“ und das wüstenrockende „Procession“ die Perlen ihres dritten Albums darstellen.

Sicher, Melodien, Einfälle, Riff-Repertoire sind allesamt keine außergewöhnlichen Kreativitätsleistungen. The Duke Spirit sind keine Genreerweiterer und als solche für einige unspannend. Doch diese Lanze will eindeutig gebrochen sein: Standardisierung allein, ist noch lange kein Kriterium für langweilige Profanität. Auf längst beschrittenen Wegen überzeugendes zu leisten ist mitunter schwieriger als die ewigen Pfade der Innovation zu betänzeln. Wahrscheinlich werden The Duke Spirit nie das ganz große Rock-Lob bekommen, und dennoch sind sie eine sehr gute Rock-Band.

Anspieltipps:

  • Cherry Tree
  • Procession
  • Don’t Wait
  • Surrender

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