Laura Marling - A Creature I Don´t Know - Cover
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Laura Marling A Creature I Don´t Know


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Als wäre Marling Roman-Autorin betagter Couleur, verknüpft und verlinkt sie, heimlich und offensichtlich ihre Geschichten mit doppelbödigen Referenzen.

Ein wenig als agiere sie als bewusster Souverän der jungen britischen Folk-Szene legt Laura Marling in einer spielend leichten und überzeugenden Manier ihr drittes Album in vier Jahren vor. Sie wird es nicht mehr hören können, und doch können wir den Fakt nicht loslassen: Laura Marling ist jetzt 21.

Souverän ist dabei nicht allein die Musik auf „A Creature I Don’t Know“. Als Kücken der Folk-Szene um Mumford & Sons, Noah And The Whale (die sie mitbegründete) und weniger bekannten Vertretern, galt sie mit ihrem Debüt-Coup „Alas, I Cannot Swim“ als Wunderkind, im Grunde auch noch letztes Jahr, als sie mit „I Speak Because I Can“ ihr großartiges Emanzipierungswerk vollbrachte. Doch oh Wunder: Laura Marling ist längst zur jungen Frau gereift. Die Spannbreite ihrer Kompositionen ist ja bereits seit dem letztjährigen Zweitwerk auf einem Niveau, dass viele Musiker höchsten in ihrem Spätwerk erreichen. Doch auch ihre oftmals düsteren, traurigen und zynisch verschlüsselten Geschichten erfahren mit jedem Tag, möchte man fast meinen, eine Steigerung im Professionalitätsgrad.

Als wäre sie Roman-Autorin betagter Couleur verknüpft und verlinkt sie, heimlich und offensichtlich ihre Geschichten mit doppelbödigen Referenzen. Im wieder herausragend mutigen Einstieg „The Muse“ bekennt sie: „I'm nothing but a beast/ And I call you when I need to feast”. Später bettet sie sich ganz bewusst neben einem solchen, mit nagender Ungewissheit. Der Song über „The Beast“ selbst stellt dann die freilich fiktive Freundin Sophia vor, die später ihre eigene Geschichte bekommt, in einem der besten Songs des Albums überhaupt, „Sophia“ ein Folk-Rock Entwicklungsroman, geschlagen nur vom sprachlos, fast weinend machenden „Rest In The Bed Of My Bones“. Clever verwoben und abstrahiert: Marlings Lyrics sind fast nicht plausibel für eine 21-jährige, und auch wenn die Verfremdung offensichtlich eigener Lebens- und Leiderfahrungen manches Mal ein wenig spinnert daherkommt, ist dieser Lyrik-Kniff doch ein adäquates Mittel zu verarbeiten und zu ventilieren was mit der Person Laura Marling seit 2008 passiert. Allen Brit und NME Awards zum trotz verbleibt die Marling inhaltlich in Sphären normaler, wenn auch freilich junger Lebensgeschichten und verwandelt sich einfach nicht in das, was sie eigentlich ist, eine britische Prominente in einer Prominentenwelt. Allein dafür gibt’s den Like-Button.

„A Creature I Don’t Know“ ist, kein Wunder bei der zeitlich Nähe, streng genommen eine Fortführung des Kreativitätssprudels von „I Speak Because I Can“. Folk, Country Boogie, Hillbilly, Kraut Rock, Led Zeppelin-Akustik-Rock: alles darf, alles passt und alles klingt ausgewogen und stark bei der Marling. Und das Beste: trotz allem merkt man an vielen bewusst gelassenen Ecken und Kanten in Geschichten, wie in Melodien: da ist tatsächlich noch Luft nach oben.

Anspieltipps:

  • The Muse
  • The Beast
  • Rest In The Bed Of My Bones
  • Sophia

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