Kraftklub - Mit K - Cover
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Kraftklub Mit K


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Am Ende bleibt anstatt eines Hypes nur ein gemischter Eindruck von Kraftklub, die im Prinzip nichts Neues bieten und dabei wie die kleinen Neffen der Beatsteaks klingen.

Seit Monaten geistert ein Bandname durch die deutsche Musiklandschaft, der durch geschickte Singleveröffentlichungen und Live-Auftritte offenbar zum nächsten Hype nach Casper aufgebaut werden soll. Mit dem seit einer gefühlten Ewigkeit angekündigten Album „Mit K“ kommt nun endlich Butter bei die Fische und die fünf Jungs von Kraftklub, so der Name des vermeintlichen Next Big Thing aus Chemnitz, müssen sich nun auch kommerziell beweisen.

Auch wenn Kraftklub als Hype der Stunde ins Rennen geschickt werden, ist ihr Sound zuerst einmal nichts weiter als ein konsequenter Schritt zurück in die jüngere Musikgeschichte. Mit ungestümen und überwiegend simplen Gitarrenrocksongs greift das Quintett nämlich einen ehemaligen Hype von der britischen Insel auf, als im Jahr 2006 vier Teenager aus Sheffield unter dem Namen Arctic Monkeys die Discos in den kollektiven Indie-Wahn versetzten und eine neue Gitarrenrockwelle auslösten.

Anno 2012 betreiben Kraftklub nun also eine Art Hype-Recycling, wohlwissend, dass der Arctic-Monkeys-Hype schneller vorbei war, als es uns allen lieb war. Wenigstens passiert dies alles mit einem ironischen Augenzwinkern und ebenso sympathischen wie plakativen Songtexten und Titeln wie „Ich will nicht nach Berlin”, „Karl-Marx-Stadt“ oder auch „Scheissindiedisko”. Ohne diese Prise Humor wäre das Phänomen Kraftklub wohl auch nicht so erfolgreich aufgebaut worden. Denn musikalisch verschießen die Chemnitzer ihrer Pulver relativ schnell. Zwar geht die Post mit dem eröffnenden Song-Trio „Eure Mädchen“, „Ritalin/Medikinet“ und der Hymne „Ich will nicht nach Berlin” von Anfang an gut ab, doch danach wiederholt sich das Konzept der Songs nur noch.

Wo sind zum Beispiel die im Vorfeld immer wieder kolportierten HipHop-Wurzeln und Rap-Einlagen? Das bisschen Sprechgesang in „Kein Liebeslied“ kann jawohl nicht gemeint sein! Auf „Mit K“ sind von den angekündigten Innovationen maximal Fragmente zu hören. Dafür dominiert eine auf Dauer nur wenig abwechslungsreiche Sammlung aus Gitarrenriffs, Power-Chords und hippen Textparolen, die live im Club oder auf Festivals gewiss gut funktionieren, in Albumform dagegen nur bedingt. So gibt es kleine Gimmicks immer dann zu hören, wenn Kraftklub andere Musiker zitieren, z.B. Becks „Loser“-Hyme in „Karl-Marx-Stadt“ oder Joachim Witts „Goldenen Reiter“ in „Ritalin/Medikinet“ (wenn vielleicht auch nur zufällig).

Am Ende bleibt anstatt eines Hypes nur ein gemischter Eindruck von Kraftklub, die im Prinzip nichts Neues bieten und dabei wie die kleinen Neffen der Beatsteaks klingen. Wenn das mal nicht nach hinten losgeht. Denn wer über ein halbes Jahr lang eine Erwartungshaltung aufbaut und dieser nicht zu 100% gerecht wird, kann schon morgen als Opfer der Industrie durch den Schornstein geschickt werden.

Anspieltipps:

  • Eure Mädchen
  • Wieder Winter
  • Kein Liebeslied
  • Scheissindiedisko

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