Sean Riley & The Slowriders - It´s Been A Long Night - Cover
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Sean Riley & The Slowriders It´s Been A Long Night


  • Label: Vachier/Broken Silence
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Nacht, der Whiskey und die Melancholie. Bräuchte man eine Überschrift für Sean Riley & The Slowriders, diese wäre die stimmigste. Auch ihre aktuelle Scheibe suggeriert Neonlicht, das sich in hochprozentiger Flüssigkeit spiegelt, volle Aschenbecher, ein dunkles Herz und eine unerfüllte Sehnsucht. Erstaunlich nur, dass Sean Riley (sein bürgerlicher Name ist Afonso Rodrigues) Portugiese ist und kein Australier oder Amerikaner. Sei’s drum, lange melancholisch-trunkene Nächte kennt auch der Südeuropäer, womit die Frage der Authentizität geklärt sein sollte.

Sean Riley & The Slowriders erzählen auf „It’s Been A Long Night“ von dunklen Straßen, tiefen blauen Augen, vom Weglaufen und nach Hause kommen, vom nicht aufhören wollenden Regen, von Whiskey trinkenden Nachteulen und vom Verloren sein. Dazu federt das Besen-Schlagzeug, ein Bass rumort, eine fiebrig-harmonsiche Orgel schlängelt zwischen den von Gitarren fabrizierten Bildern, zu denen Sean Riley so emotional wie cool samten in die Nacht hinein croont. Ganz im Hintergrund verfeinern hier und da („Sweet Little Mary“, „Lost In Time“) Streicher oder atmosphärisch gesetzte Bläser („Everything Changes“, „Night Owls“) das Klangbild. Oder Melodica und Theremin setzen Akzente und Schwingungen, wofür Bassist Bruno Smoes zuständig ist. Keyboards, Schlagzeug und Harmoniegesang teilen sich Filipe Costa und Filipe Rocha.

Trotz der stimmungsvollen Atmosphäre, die Sean Riley & The Slowriders aufbauen, werden auf „It’s Been A Long Night“ melodische Songs serviert, die zwischen Gallon Drunk, Nick Cave und Dark Americana pendeln. Bereits die beiden Album eröffnenden Songs „Laying Low“ und „Silver“ bestechen durch unwiderstehlichen Melodienreichtum. Die auf poetischen Pianotakten basierende Ballade „Everything Changes“ lädt zum Schwelgen ein, dagegen hat „Traveling Fast“ eine fingerschnippende Lässigkeit. Auf „Cold River“ und „We Could Be“ halten die vibrierenden Stromgitarren und schwirrenden Orgelklänge die Waage zwischen verhaltenem Optimismus und melodischer Melancholie.

Die mit Streicherarrangements versehenen Songs „Sweet Little Mary“ und „Lost In Time“ lassen das Neonlicht der Nachtbar verblassen und die ersten Strahlen der Morgensonne aufblitzen. Die Bar schließt, der Rest im Glas ist schal geworden und der kalte Rauch muss dem klaren Sauerstoff des Morgens weichen. Zu guter Letzt wird der ungelistete Bonus Track zum dissonanten Nachhall auf dem Nachhauseweg.

Anspieltipps:

  • Laying Low
  • Everything Changes
  • Sweet Little Mary
  • We Could Be

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