Dear Reader - Idealistic Animals - Cover
Große Ansicht

Dear Reader Idealistic Animals


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Dear Reader 2007 das Album „Replace Why With Funny“ veröffentlichten, waren sie noch ein Duo. Darryl Torr ist inzwischen aus der Band ausgetiegen, arbeitet als Tonmeister in der Heimat im südafrikanischen Johannesburg, während die eigentliche kreative Kraft hinter dem Projekt, namentlich Cherily MacNeil, nach Berlin zog und sich nun für das Zweitwerk „Idealistic Animals“ alleine verantwortlich zeichnet. Mit Musikern und Musikerinnen aus Deutschland, Südafrika, Nordirland, Schweden sowie Amerika und Produzent Brent Knopf (ehem. Menomena) hat sie ein Album erarbeitet, welches sich musikalisch opulent sowie poppig gibt und inhaltlich u.a. die strenge, christliche Erziehung MacNeils sowie den Neuanfang in Berlin verarbeitet.

Für ihre textlich düsteren Songs, die Themen wie „Mörderballaden, Selbstzweifel, Depression, Melancholie“ aufgreifen, bedient sich MacNeil bei Metaphern aus dem Tierreich. Wie dem blinden Maulwurf in dem Stück „MOLE (Mole)“, der die Liebe findet, aber aufgrund seiner tiefen Zweifel nicht glücklich wird. So trägt jedes Stück auf „Idealistic Animals“ den Namen eines Tieres. Brent Knops Produktion setzt dabei die musikalische Vision MacNeils mit beeindruckender Präzision um: Auf „Idealistic Animals“ begegnen einen unzählige Instrumente wie Oboen, Fagotte, Trompeten, Waldhörner und Geigen, aber auch Klaviere, Gitarren und natürliche Chöre. Das interessante dabei ist, das keines dieser Instrumente jemals eine leitende Funktion oder eine lautere Position im Mix einnimmt, sondern alles ineinander greift und miteinander verschwimmt, jedoch jedes Instrument immer klar hörbar bleibt. Dies ist auch den geschickten Arrangements MacNeils zu verdanken, die zwar stets Schutz in der Opulenz sucht, es jedoch zu keinem Zeitpunkt übertreibt.

So können sich beim ekstatischen Finale von „MONKEY (You Can Go Home)“ Geigen, Klavier und Gitarre vom Schlagzeug hochtreiben lassen, Chöre mit Trompeten, Oboe, Fagott und Akkordeon einherschwingen „(WHALE (Boohoo))“ oder bei „GIRAFFE (What's Wrong With Us)“ auch schon mal Xylophon und Trompeten den Raum fast alleine füllen. Cherilyn MacNeil singt darüber sanft sowie unaufdringlich ihre Texte und hält sich dabei ähnlich angenehm zurück wie die restlichen Puzzleteile eines jeden Songs, die zusammen jeweils ein beachtliches Gesamtbild ergeben. Detailverliebte Hörer/innen können sich manchmal vielleicht an dem etwas arg scheppernden Schlagzeug stören, MacNeils Melodien sind auch nicht zwingend spannend. Dennoch ist „Idealistic Animals“ ein Werk, das stets aus hohem Niveau funktioniert und seine Vorzüge klar im breit angelegten und wunderbar interagierenden Instrumentarium bei durchdachtem Songwriting und MacNeils feiner und gefühlvoller Singstimme hat.

Anspieltipps:

  • MONKEY (You Can Go Home)
  • MOLE (Mole)
  • GIRAFFE (What's wrong with us)
  • CAMEL (Not Black Or White But Camel)

Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
Diskutiere über „Dear Reader“
comments powered by Disqus