Ryan Adams - Ashes & Fire - Cover
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Ryan Adams Ashes & Fire


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine ganz und gar entkrampfte Americana- bzw. Country- und Folk-Platte.

Die Arbeitsweise eines Ryan Adams ist und bleibt eine undurchschaubare Formel. Entweder befindet sich der Songschreiber im totalen Arbeitswahn und möchte am liebsten im Wochenrhythmus neue Songs auf den Markt bringen und dann taucht er für Monate einfach so ab und keiner weiß so richtig was los ist. Fast drei Jahre konnte Ryan Adams aufgrund einer hartnäckigen Tinnitus-Erkrankung nicht an neuer Musik arbeiten. Also hieß es umdenken im Hause Adams.

Der 37-Jährige schwor Drogen und Alkohol ab, heiratete die Schauspielerin und Sängerin Mandy Moore (27), zog von New York nach Kalifornien, veröffentlichte zwei Gedichtbände, trennte sich von seiner Band The Cardinals und besann sich musikalisch – als dies sein Körper wie zuließ – auf eine entspannte Neuausrichtung. Auch das exzessive Veröffentlichen seines Archivmaterials hat Ryan Adams mehr oder weniger drangegeben. Zumindest ist ihm der Aufwand zur Last geworden, Alben wie „Orion“ aus dem Jahr 2010 (nur auf Vinyl erhältlich) in Eigenregie zu verpacken und um die halbe Welt zu verschicken. Dies soll nun wieder ein Majorlabel übernehmen, das sich auf locker ein halbes Dutzend fertige Alben in den Schublade des Songwriters freuen kann.

Die Cardinals haben ausgedient und damit auch laute Rockmusik, die Gift für Ryan Adams‘ angeschlagenes Gehör ist. Auf „Ashes & Fire“ setzt der Wahl-Kalifornier jetzt auf akustische Instrumente, eingespielt in nur 12 Tagen, eingebettet in eine angenehme Live-Atmosphäre, festgehalten auf analogem Material. Dazu holte er sich Norah Jones (32) ins Studio, die Piano spielt und zusammen mit Adams‘ Ehefrau Mandy Moore im Background singt. Der alte Haudegen Benmont Tench (Tom Petty, Bob Dylan, Johnny Cash, Alanis Morissette) spielt auf der Hammond Orgel und Adams‘ alter Kumpel Neal Casal bedient die Akustikgitarre.

Unter diesen Rahmenbedingungen entstand eine ganz und gar entkrampfte Americana- bzw. Country- und Folk-Platte, auf der sich Ryan Adams von seiner sanftesten Seite zeigt. Fast schon schüchtern erklingen die Akkorde im Opener „Dirty rain“, als würden die Musiker spüren, dass sie den Hörer erst einmal mit dieser für Ryan-Adams-Alben ungewohnten Atmosphäre vertraut machen müssen. Und so braucht es in der Tat ein paar Hördurchgänge, um mit dem zerbrechlichen Liedgut warm zu werden, aus dem sich mit „Come home“, „Do I wait“, „Kindness“, „Save me“ und „I love you but I don’t know how to say“ einige sentimentale Kleinode herauskristallisieren, die wie geschaffen sind für kalte Jahreszeiten.

Gute-Laune-Fetischisten werden beim Genuss von „Ashes & Fire“ eher das Weite suchen, so zurückhaltend und ruhig geht Ryan Adams auf seinem 13. Album zu Werke. Da hilft nur eins: Die Erwartungshaltung anpassen und sich bewusst auf das einlassen, was der 37-Jährige nach überstandener Krankheit musikalisch zu bieten hat. Das ist deutlich anders, als es auf seinen letzten regulären Alben zu hören war, aber auch auf dieser speziellen Art und Weise gut.

Anspieltipps:

  • Kindness
  • Save me
  • Do I wait
  • Come home
  • I love you but I don’t know how to say
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