Madina Lake - World War III - Cover
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Madina Lake World War III


  • Label: Long Branch Records/SPV
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Würden Madina Lake nicht schon mit ihren Alben Geschichten über die gleichnamige, fiktionale Stadt erzählen, in der es um das Verschwinden der „hinreißenden Provinzschönheit Adalia“ geht, die Fans wären allein mit den realen Begebenheiten rund um die Band und den einzelnen Platten beschäftigt. „From Them, Through Us, To You“ (09/2007) war immerhin nur möglich, da sich das Brüderpaar Nathan (Gesang) und Matthew Leone (Bass) in der TV Show „Fear Factor“ seinen Ängsten stellte und das Preisgeld von 50.000 Dollar einstreifen konnte, während sich vor der Veröffentlichung von „World War III“ folgendes zugetragen hatte: „Im Juni 2010 wurde Matthew bei dem Versuch brutal zusammengeschlagen, seine Frau vor einem gewalttätigen Angreifer zu schützen. Matthew lag anschließend mit Schädelbruch, Kieferfraktur und Hirnschwellungen fünf Tage lang im Koma. Musiker aus aller Welt engagierten sich für Matthew, sogar die Smashing Pumpkins gaben ein Benefizkonzert und sammelten 80.000 Dollar für seine medizinische Behandlung. Erst nach viermonatiger Genesung konnte Matthew zu seiner Band ins „The Attic“-Studio zurückkehren.“

Traumatische Erlebnisse sind ja bekannterweise seit Anbeginn der kommerziellen Musik ein Motor für besonders emotionale oder düstere Alben und „World War III“ macht da keine Ausnahme. Die Chicago-Truppe legt mit ihrem dritten Werk zwar nicht gleich einen Meilenstein der Emo-infizierten Rockgeneration ab, doch im Vergleich zu den beiden Vorgängern ist das neueste Langeisen der Leone Brüder, sowie Mateo Camargo (Gitarre) und Daniel Torelli (Schlagzeug) eindringlicher, packender und wesentlich mutiger. Gut, am Grundgedanken einer Madina Lake-Komposition hat sich nicht unbedingt viel geändert und die Jungs spielen weiterhin eine Mischung aus Fallout Boy, Panic At The Disco, Billy Talent und My Chemical Romance, aber der Mix aus diesen Bands geht wesentlich flüssiger vonstatten, sodass es dem Hörer meistens ziemlich egal ist, dass es diese oder jene Idee schon ein paar Jahre zuvor in ähnlicher Weise gegeben hat.

Paradigmatisch hierfür wären stürmische Achterbahnfahrten im Windkanal wie „Imagineer“ oder „Howdy neighbor!“, hartnäckige Ohrwürmer der Marke „They´re coming for me“ (ohne Frage der Liveklassiker der Platte), Funeral For A Friend-Powerakkorde in fröhlicher Umgebung („Across 5 oceans“) oder dezente Hardcore-Ausbrüche („What it is to wonder“, „Blood red flags“). Dazwischen schmuggelt sich hingegen Standard-Emorockware („Hey superstar“, „We got this“, „Heroine“), lahme Schunkelpartien („Take me or leave“) und seltsames Elektro-Geblubber („Fireworks“). Gesunde Abwechslung ist also vorprogrammiert, selbst wenn einzigartige Ansätze auf anderen Alben zu finden sind. Als Endorphinschleuder oder als Einstimmung für einen feuchtfröhlichen Abend unter Freunden ist „World War III“ allerdings bestens zu gebrauchen.

Anspieltipps:

  • Imagineer
  • Across 5 Oceans
  • What It Is To Wonder
  • They´re Coming For Me

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