Future Islands - On The Water - Cover
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Future Islands On The Water


  • Label: Thrill Jockey/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Magie ists verpufft. Es passiert nicht genug auf „On The Water“.

Es ist der Scheideweg eröffnet mit dem dritten Future Islands-Album. Nicht das sie plötzlich schlecht geworden wären, mitnichten, aber nach zwei tollen Alben voller affektivem, atmosphärisch dichtem und vernebelten Synthpop, stößt der Baltimore-Dreier sukzessive an seine Möglichkeitsgrenzen in gleicher Art wie bisher Empathie herzustellen.

Wie gesagt, nichts auf „On The Water“, das sie schrecklich falsch machen würden, aber die Melodiewege ebenso wie die Songthematiken erschöpfen sich ein wenig, trampeln sich aus, um im Metaphernbild zu bleiben. Ein ewig gleich programmierter Drumcomputer ist sicherlich ein großer Teil des Puzzles, warum mit „On The Water“ die Future Islands nicht mehr so berühren, wie auf dem manisch-schönen „In Evening Air“. Schenkt dieser Band einen Drummer!

Dabei stimmt das frühe Duet „The Great Fire“ recht hoffnungsvoll, dass hier wohltuende Weiterentwicklung bei gleichbleibenden Charisma sich vollziehen könnte, zuvor hat nämlich „Before The Bridge“ zaghaft verliebtes Standtanzen angestimmt und Samuel T. Herrings tragendes Organ ähnlich eindringlich wie auf früheren Songs raunend und mit zitternder Stimme gefragt: „do you believe in love?“

Doch die Magie verpufft und es passiert nicht genug auf „On The Water“, trauen sich sowohl Instrumentierung, als auch die bei dieser Band alle Richtung vorgebende Stimme Herrings keine Ausbrüche zu. Vergeblich also wartete man auf einen weiteren „Tin Man“. Vielleicht ist Herring ja nicht verzweifelt genug dafür gewesen, jedenfalls plätschert der Takt in Album-Mitte, auf „Where I Found You“ und „Give Us The Wind“ etwa, derart Achtziger-Jahre-High-School-Abschluss-Balladentanz-mäßig herum, dass man sich verwundert die Ohren reiben mag über so viel Belangloses einer doch eigentlich so hochemotionalen Band.

Der vielleicht beste Song „Close To None“ kann die Kohlen dann auch nicht mehr aus dem Feuer holen, zumal danach emotionales Geplätscher wieder übernimmt und keinen Schnarcher aufwecken wird. So gut der Vorgänger auch war, die Future Islands haben ein für ihr Potential schwaches Album abgeliefert, auf dem tendenziell empfindsame Profanität regiert. Nicht rhythmisch gesehen, sie waren noch nie eine Band großer Takt- und Tanzbewegungen, wohl aber eine, die in ihrer musikalischen Verzagtheit, allen voran aufgrund der enormen Stimme Herrings, zu berühren wusste. Fehlt das ist nicht mehr viel dran an den Future Islands und so hoffen wir für den nächsten Streich auf ein wenig mehr Leid in der Lebenserfahrung Herrings, sonst müssten wir uns ernsthaft sorgen machen.

Anspieltipps:

  • Close To None
  • Before The Bridge
  • The Great Fire

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