Soundtrack - Twilight: Breaking Dawn Part 1 - Cover
Große Ansicht

Soundtrack Twilight: Breaking Dawn Part 1


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 61 Minuten
Artikel teilen:
4/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Des Teenagers liebste Seifenoper wird fortgesetzt. Die Twilight-Saga geht in die nächste Runde. Blutsauger Edward heiratet seine Bella und der leidenschaftliche T-Shirt-Verweigerer aka Werwolf Jacob will alles daran setzen, dass es in der Hochzeitsnacht nicht zu einer blutigen Tragödie kommt. So simpel der Plot hinter dem vierten Teil der Verfilmung des Stephenie Meyer-Bestsellers ist, so dramatisch, pathetisch und emotional wird er auch auf die Leinwand gebannt. David Slade-Ablöse Bill Condon („Kinsey“, „Dreamgirls“) hat es sich nämlich nicht nehmen lassen, der mitunter arg blutleeren Schmachtballade etwas Pfeffer beizumengen, leicht von der Vorlage abzuweichen und dem Franchise Horrorelemente zu spendieren.

Kommerziell hat sich „Breaking Dawn: Part 1“ an den Kinokassen jedenfalls schon (wie sollte es auch anders sein) bezahlt gemacht und steht aktuell mit einem internationalen Einspielergebnis von 490 Millionen Dollar beim 4-fachen der Produktionskosten. Angesichts dieses nimmermüden Goldesels ist es eigentlich ein Wunder, dass für den offiziellen Soundtrack dieses Mal nicht größere Kaliber als Bruno Mars oder Iron And Wine verpflichtet wurden, standen auf den bisherigen Ablegern der Musik zum Film schließlich Namen wie Muse (sogar auf allen bislang veröffentlichten Compilations), Paramore, Linkin Park, Death Cab For Cutie, The Killers, Black Rebel Motorcycle Club, The Black Keys oder Florence And The Machine mit teilweise exklusiven Songs Schlange.

Was an und für sich nichts Schlechtes sein muss, entpuppt sich bei vorliegendem Soundtrack jedoch zu einer mühseligen Aneinanderreihung von Kompositionen, die bestenfalls als Schlafmittel, letzte Alternative zum Radio oder schlichtes Fan-Gimmick ihre Daseinsberechtigung beziehen. In zwei Kategorien geteilt (laut und leise) beginnt die Zusammenstellung zwar einigermaßen atmosphärisch mit dem dynamischen „Endtapes“ der walisischen Band The Joy Formidable, danach muss man sich allerdings erst durch drei Langweiler kämpfen (darunter Bruno Mars mit „It will rain“) um eine nichtssagende Rocknummer („From now on“ von The Features) wegdrücken zu können um das einnehmende „A thousand years“ von Singer/Songwriter-Neuentdeckung Christina Perri bestaunen zu können.

Anschließend darf stilsicher und nach souliger Mattafix-Art gerappt werden („Neighbours“), der ambitionierte Track des New Yorkers Theophilus London fühlt sich inmitten der restlichen, stark am Rande des Kitsch balancierenden Nummern allerdings wie ein einziger Fremdkörper an. Zackiger Bluesrock („I didn´t mean it”) und fetziger Rock´n´Roll („Sister Rosetta“) stehen danach am Speiseplan, wirklich überzeugend sind diese letzten zwei aufbegehrenden Stücke aber keineswegs. Glöckchenklänge in „Northern lights“ läuten daraufhin den allzu ruhigen Schlussteil des Soundtracks ein, der weder mit der sogenannten Wedding Version von Iron & Wines Walzer „Flightless bird, american mouth“ mit Jazzbesen und seufzenden Streichern, noch mit langatmigem Schunkelpop („Reqiuem on water“, „Llovera“) oder jammervollen Balladen („Cold“) überzeugen kann.

Besser ergeht es da schon dem einzigen Filmmusikbeitrag „Love death birth“, der von Komponistenexzentriker Carter Burwell („Fargo“, „Brügge sehen und sterben“, „True Grit“) stammt und den vorangegangenen, nicht sonderlich subtilen Songs mühelos mit tiefgreifenden Klaviertupfern, ehrfürchtigen Streichermotiven und einem packenden Spannungsbogen die Schau stiehlt. Tja, was soll man zu dieser durchwachsenen Vorstellung sagen? Die Twilight-Serie bietet sich nun einmal für exzessive, in Wehmut badende Kompositionen an, doch was bei „Eclipse“ zu einer gelungenen Mischung aus Herzschmerz und Kampfgeist führte, ertrinkt auf „Breaking Dawn: Part 1“ in einem Tränenmeer. Mädchen werden es lieben, die Burschen haben einen Grund mehr Twilight zu meiden. Wenigstens auf dieser Ebene ist das Gleichgewicht wiederhergestellt.

Anspieltipps:

  • The Joy Formidable - Endtapes
  • Theophilus London - Neighbours
  • Carter Burwell - Love Death Birth
  • Christina Perri - A Thousand Years

Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
Diskutiere über „Soundtrack“
comments powered by Disqus