Joe Henry - Reverie - Cover
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Joe Henry Reverie


  • Label: Anti Records
  • Laufzeit: 62 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Rauschen und Geräusche. Ein Hund jault. Vögel zwitschern. Ein geheimnisvoller Hintergrund zieht durch Joe Henrys neues Album „Reverie“, das sein 12. ist. Nach dem atmosphärischen „Blood From Stars“ (2009) ziehen Henrys neue Songs wieder als langer Fluss, um das Gesamtkunstwerk zu bereichern, ihm eine neue Facette hinzuzufügen. Der Singer / Songwriter, der einen genau so erfolgreichen Produzenten abgibt (man denke nur an Solomon Burkes „Don’t Give Up On Me“), schreibt keine einzelnen Songs, sondern komponiert Alben, die sich zu einem facettenreichen Gesamtwerk fügen. Kein schillerndes, vielmehr eines, das mit Americana-Alben begann, über kontrolliertes Experimentieren zum Blues und Jazz fand, um letztlich ein Singer/Songwriter zu werden, der unterschiedliche Stile in einem Song, einem Album zusammenfügen kann. Ein Meister seines Fachs.

Für „Reverie“ hat Joe Henry reduziert instrumentiert, hat Ecken und Kanten belassen, so dass seine Songs in einer rauen Natürlichkeit daherkommen. Geholfen haben ihm der Ausnahmegitarrist Marc Ribot, Patrick Warren, Jay Bellerose, Keefus Ciancia, David Pitch, Jean McClain und Lisa Hannigan, deren letztes Album „Passenger“ Henry vor Kurzem produzierte. Für „Reverie“ hat er die Fenster des Studios geöffnet und jene oben erwähnten Geräusche in den Aufnahmeprozess mit einbezogen. Sie sind Bestandteile dieses dunkel-romantischen Songzyklus, der die Schönheit der Melancholie zum Vorschein bringt.

Im Vordergrund der Songs steht Joe Henry mit seiner nasalen Stimme, die manche Silben in die Länge zieht, andere lässt sie nahezu im Verborgenen. Eine typisch amerikanische Stimme, die zwischen Erzählen und atmosphärischem Ausdruck schwingt, manchmal in der Nähe einer cineastischen Erzählstimme. Dazu poltert ein Schlagzeug, ein raumgreifendes punktgenaues und verzögert dunkles Poltern, wozu ein dumpf-tiefer Bass wummert. Das Piano klimpert oder perlt stimmungsvolle Jazz- und Bluesakkorde und die akustische Gitarre zeichnet poetisch helle bis dunkle Figuren. Die Songs tragen Titel wie „After The War“, „Dark Tears“, „Tomorrow Is October“, „Deathbed Version“ oder „Unspeakable“ und Joe Henry selbst sagt: „’Reverie’ ist womöglich das realistischste und zornigste Album, das ich jemals aufgenommen habe.“

Ein zorniger Realismus, der in dunkel-melancholischen Songs zum Ausdruck kommt. „Reverie“ ist großes amerikanisches Erzählkino in s/w-Bildern. 14 Songs lang eintauchen in Joe Henrys Welt, in der Verzweiflung, Liebe, Träumerei, Offenbarung, Wut und Hoffnung nebeneinander stehen, ineinander verschmelzen. Eine lange Fahrt durch eine amerikanische Nacht, die überall und nirgends existiert.

Anspieltipps:

  • Heaven’s Escape
  • After The War
  • Dark Tears
  • Piano Furnace
  • Unspeakable

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