Golden Kanine - Scissors & Happiness - Cover
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Golden Kanine Scissors & Happiness


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ob sich Golden Kanine wirklich darüber freuen können, dass ihr Album „Scissors & Happiness“ nun auch offiziell in Deutschland erscheint? Natürlich dürfte das noch ein oder zwei Fans gewinnen, aber zumeist sind Veröffentlichungen zwei Jahre nach dem eigentlichen Release nicht ganz so aufsehenerregend. Moi Caprice können davon ein Lied singen, da ihr „The Art Of Kissing Properly“ in Deutschland nicht zum Zug kam und ihr famoses Anschlussalbum gar nicht mehr die hiesigen Plattenläden erreichte. Abseits von der Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, „Scissors & Happiness“ hierzulande noch einmal offiziell über einen größeren Vertrieb zu veröffentlichen, freuen wir uns einfach auf Indie-Rock mit folkigen Elementen aus dem schönen Schweden.

So unscheinbar wie die Veröffentlichung des Albums kommt die Eröffnung in Form von „A World To Save“ daher. Ganz gewöhnliches Akustikkostüm um mehr schlechten als rechten Gesang. Wie schnell daraus mit etwas verzerrter Stimme und weiblichem Duettpartner ein poppiger Damien Rice werden kann, überrascht in „Came Down“ schon. Plötzlich entwickeln die Skandinavier eine Dynamik, die sich im schwachen Opener nicht erahnen ließ. Und das ist erst der Anfang. „December“ krönt den urplötzlich positiven Eindruck mit Streichern, Bläsern und fein gespielter Akustikgitarre als einen der schönsten Indie-Rocksongs akustischer Art, die es in den letzten Jahren und Monaten zu hören gab.

Die fantastische Stimmung in den Liedern ist besonders den Bläsern geschuldet. Wann immer sie, wie in „December“ oder „Scissors“ ihre Einsätze bekommen, überzeugen sie mit einer melancholischen Art, die den Hörer nach mehr verlangen lässt. „Scissors“ ist dann auch noch der Kronprinz des herrlichen „December“. „Scissors“ überzeugt mit lebendigem Gesang, wo „December“ und „Happiness“ als Uptempo-Indie-Klassiker der neuen Generation. Sufjan Stevens wäre stolz auf den quantitativen Reichtum an verschiedenen Instrumenten. Von der Qualität haben wir bereits gesprochen. Da stehen auf der Verliererseite nahezu alleine der Opener und das überlange „God Almighty“.

Im Falle von „God Almighty“ ist es nicht die ruhige Art des Liedes, sondern wirklich nur die Länge, die der minimalistischen Art des Stücks nicht entgegenkommt. Das komplette Gegenstück dazu ist das kurze, romantische „Cough“, das in weniger als zwei Minuten alles sagt, was gesagt werden muss. Da verliebt man sich schnell und gerne. Aber auch über fünf Minuten kann diese Romantik getragen werden, wie das zuckersüße „Bones“ mit einer gekonnten Mischung aus Bläsern, gefühlvollem und explosivem Gesang beweist.

Allein warum im Opener so grauenhaft gesungen wird, erklärt sich bis zuletzt nicht. Da rinnt nach 39 Minuten die eine oder andere Träne, da man sich nahezu gewiss sein kann, dass dieses Album auch oder eben wegen zwei Jahren Verspätung keinen kommerziellen Erfolg haben wird.

Anspieltipps:

  • December
  • Bones
  • Scissors

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