Saint Aside - Angel Come - Cover
Große Ansicht

Saint Aside Angel Come


  • Label: Kick The Flame/Broken Silence
  • Laufzeit: 36 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Augmented Reality. Im Falle des Saint-Aside-Albums ist damit gemeint, dass man die Ansicht während ihrer Videos beliebig wechseln kann. Also kaufen! Sein wir ehrlich: seit gut 2000 Jahren wartet die Menschheit sehnsüchtig darauf, dass man die Band von links anstatt von rechts betrachten kann. Der Einzige Gedanke während eines Konzertes ist doch immer: „Wie wohl gerade die Sicht meines Nachbarn ist?“ Das Rad, die Relativitätstheorie und Häagen Dasz sind ein Witz im Vergleich zu dieser Neuerung. Was kann jetzt noch schief gehen? Dass ein Album zum Vollpreis (wenn man nicht zur mp3-Download-Variante greift) angeboten wird, wenn sich läppische acht Titel in weniger als 40 Minuten auf dem Album befinden und einer der Songs eine Akustikversion eines vorher gehörten Stückes ist? Also wirklich. So was zu unterstellen, wenn im Gegenzug eine Neuerung eingeführt wird, die Jesus' Leistung, Wasser in Wein zu verwandeln, so alt aussehen lässt wie Opas lange Unterhosen aus der Bundeswehrzeit, ist eine Dreistigkeit. Vielleicht sogar Vaterlandsverrat.

Wer jetzt eine Hasstirade über eine wirklich gute deutsche Rockband erwartet ist fehl am Platz. Saint Aside schlagen sich auf ihrem neuesten Album wirklich gut und es erscheint schon ein wenig hart, wenn man keine zwei Monate nach dem Jahrestag des Todestages des verstorbenen Bassisten der Band so eine Einleitung schreibt. Auf dem nicht übermäßig kurzem, aber quantitativ nicht sonderlich großartig ausgestatteten „Angel Come“ schaffen es die Leipziger ein ums andere Mal an Incubus. Emotional und dazu ein paar satte Riffs, sowie die Gabe zwischen gepflegt rockig („Angel Come“) und herzallerliebst („Heartbeats“) hin und her zu wechseln, als sei es das Leichteste, was es in der Musik gibt. Da mischt sich zwar auch immer wieder eine Prise Creed rein, aber gegen diese emotionale Note und den Vergleich werden die Nachwuchsrocker wohl nichts einzuwenden haben.

Ein neues Morning View schaffen Saint Aside zwar nicht, doch selten hat man deutsche Musiker gesehen, die dem amerikanischen Stil so kompromisslos und gekonnt nachkommen. Neuheiten sucht man vergebens (außer der Augmented Reality), aber die wünscht man sich auch gar nicht erst. In diesem Fall ist es gut, dass das Album nur sieben verschiedene Tracks vorzuweisen hat. Es entwickelt sich gar nicht erst die Gelegenheit zu langweilen. Eigentlich gut, aber viel zu schnell und ohne Überraschungen vorbei. Das macht auch die Spielerei an den Videos nicht wieder gut. Nicht, dass es falsch wäre solche Spielereien auszuprobieren, doch diese Fakten zu nutzen, um sich in denselben Atemzug mit Rihanna zu bringen ist verboten nah an der Grenze zwischen PR-Sensation und Verzweiflung. Die Musik ist das glücklicherweise geradliniger und handfester.

Anspieltipps:

  • Angel Come
  • Heartbeats
  • Wavelength

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