We Were Promised Jetpacks - In The Pit Of The Stomach - Cover
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We Were Promised Jetpacks In The Pit Of The Stomach


  • Label: Fat Cat/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

These Four Walls“ war schon so ein Album, bei dem sich leicht die Frage stellen konnte, was denn an dieser Musik nun so grandios sein sollte: Da kommen vier Musiker aus Edinburgh, singen schief und mit krassen schottischen Akzent, sind eindeutig keine Virtuosen an ihren Instrumenten und geben obendrein nicht allzu viel auf eine präzise Ausführung oder ausgefeiltes Songwriting. Was war es also, das We Were Promised Jetpacks hervorstechen lies? Ihr Debütalbum speiste seine Qualität vor allen Dingen aus seiner immens ansteckenden und mitreissenden Wirkung, der im-Moment-Haltung und seiner emotionalen Kraft. Wer kann schon bei einem Song wie „Quiet Little Voices“ stillsitzen? Wer reckt nicht bei der Explosion von „It’s Thunder And It’s Lightning“ fiebrig die Faust in die Höhe? Da ist es doch egal, wenn sich die Band eigentlich mehr darüber definiert, was sie nicht kann, als über das, was sie so gut macht.

Dies soll sich jetzt aber ändern, zumindest wenn es nach der Band geht: Auf „In The Pit of the Stomach“ präsentieren sich Adam Thompson (Gitarre, Gesang), Michael Palmer (Gitarre), Sean Smith (Bass) und Darren Lackie (Schlagzeug) nun als eine Band, die im Zusammenspiel sehr viel eleganter geworden ist, die versucht, als geschlossene Truppe aufzutreten. In dieser Hinsicht hat das Quartett seine Hausaufgaben in der Tat gemacht: Thompson wird in seinem Leben zwar kein großer Sänger mehr, aber die schiefen Töne weiß er inzwischen erheblich besser zu vermeiden. Die Songs klingen dichter arrangiert, sind konzentrierter und auf den Punkt gebracht. „Circles And Squares“ ist auch gleich so ein Brecher, der an alte Tugenden anschließt und die Band spielerisch doch in einem neuen Licht dastehen lässt. Keine 8-Minuten-Odyseen mehr, weniger melancholische Klänge, flüssigere Übergänge, hochwertigere Produktion sind einige der Merkmale, die sofort auffallen.

Das Quartett entwickelt sich auf ihrem zweiten Album ein wenig in Richtung Postpunk, was insbesondere dann auffällt, wenn sie zum Beispiel zum Beginn von „Hard To Remember“ wie die Editors in ihrer Frühphase klingen. Auf „In The Pit of the Stomach“ gibt es keine Hits, und glücklicherweise schaffen es WWPJ, simple Songstrukturen nach gängigem Muster zu vermeiden. Vielleicht ist dies jedoch auch eines der größten Schwächen ihres zweiten Albums, denn Weniges sticht wirklich hervor. Ausführliche Intros wie das von „Act On Impulse“ hatten sie auch schon auf ihrem Debütalbum zu bieten, dennoch ist es ingesamt eines der besseren Stücke, da die Band auch gelernt hat, sphärische Momente in ihre Songs einzubauen. Auch arbeiten die vier Musiker jetzt mit einer größeren Anzahl an Effekten und es gibt mehr Instrumente zu hören als früher. So wird „Pear Tree“ beispielsweise leise von Streichern unterlegt. Es ist auch einer der Songs, der zeigt, wie sich die Band musikalisch weiterentwickelt hat: Anstatt schneller laut-leise-Wechsel erlauben sich WWPJ nun in der Mitte des Songs einen Bruch und bauen ihn langsam immer weiter auf, werden bedächtig lauter, nur um das Stück zu Ende hin wieder genau so langsam abschwillen zu lassen.

Die zappelige und nervöse Rhythmusarbeit von Lackie haut an vielen Stellen einiges heraus. Wie „Circles And Square“ sich unaufhaltsam nach vorne schiebt oder sich „Sore Thumb“ in den besonders lauten Momenten überschlägt, ist auch heuer wieder besonders ansteckend. In diesen Momenten ist sie wieder da, die Dringlichkeit und das Gefühl des mitgerissen werdens. Doch „In The Pit of the Stomach“ fehlen die besonderen Momente, diese plötzlichen musikalischen Eruptionen von Songs wie „It’s Thunder And It’s Lightning“ oder „This Is My House, This Is My Home“, in denen WWPJ sprichwörtlich abhoben und ihre Energie auf ihre Hörerschaft übertragen konnten. Ein Qualitätsmerkmal, welches „These Four Walls“ eben stark bereicherte und nahezu völlig fehlt. WWPJ haben sich damit einer ihrer größten Stärken beraubt. „In The Pit of the Stomach“ möchte die logische Weiterentwicklung des Debüts sein, aber irgendwie gefiehlen WWPJ in ihrer Rolle als ungereifte, stürmische Frischlinge erheblich besser.

Anspieltipps:

  • Circles And Squares
  • Act On Impulse
  • Boy In The Backseat
  • Pear Tree

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