Tonia Reeh - Boykiller - Cover
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Tonia Reeh Boykiller


  • Label: Clouds Hill/Rough Trade
  • Laufzeit: 37 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Von vorne bis hinten schlechte Laune zu verbreiten, ohne irgendwo hinzuführen, kann man auch ohne musikalische Untermalung.

Wenn man Tori Amos bitten würde im Stile ihres Albums „Boys For Pele“ all ihr Leid über Amy Winehouses Tod herauszuschreien, dann würde wahrscheinlich etwas in der Art des neuen Tonia Reeh-Albums herauskommen. Ein hartes Nervenkostüm ist für den Psycho-Pop auf „Boykiller“ auf jeden Fall von Nöten. Tonia schreit in den vorliegenden 37 Minuten bis der Arzt kommt, sucht immer nach der Möglichkeit zu klagen oder Dur in Moll umzuwandeln und überhaupt scheint der Pate für dieses Album der große Weltschmerz gewesen zu sein.

Joyce Hotel haben vorgemacht, dass ein Album lang schlechte Laune für ganz große Kunst Vorlage sein kann. Und noch größere Vorbilder dienen Als Muse, wenn man sich der Depri-Musik verschreibt. Das beinahe 40-minütige Klage-Ensemble von Frau Reeh geht dabei aber zu weit und gleichzeitig nicht weit genug. In „Boykiller“ oder „Hate Entertainment“ versucht sie mit verzerrtem Gesang (kann man es noch so nennen?) eine erschütternde Atmosphäre zu erschaffen, die Leuten, die bei Sonnenlicht anfangen zu fauchen, wohl auch gelegen kommen dürften. Man stellt sich eine Künstlerin vor, die ganz in schwarz gekleidet ihre Bongotrommel vergessen hat und stattdessen das Piano malträtiert. Das hört sich nach Klischee-Feindschaft an, aber Tonia Reeh macht es dem Hörer zu leicht, sie nicht zu mögen.

Ihr immer wieder ansprechendes Klavierspiel arbeitet zusammen mit ihrer Stimme stets auf Dissonanzen hin und zerstört den Hörgenuss, ohne für Liebhaber schwerer Kost ein wirklich Schauspiel zu leisten. Kein Spektakel keine Aufs und Abs, die den Hörer die Tiefe des gesungenen Schmerzes erblicken oder erhaschen lassen. Warum ist diese Frau so Abgrund tief bestürzt? Werden wir es je erfahren? Versucht sie einfach wie Björk nur noch eine Stimmung zu erschaffen? Dafür fehlt es der Dame leider an Kultstatus und an Flexibilität. Von vorne bis hinten schlechte Laune zu verbreiten, ohne irgendwo hinzuführen, kann man auch ohne musikalische Untermalung. Wer sich trotzdem welche wünscht, der wird hier vielleicht fündig. Auch wenn man das niemandem wünschen möchte.

Anspieltipps:

  • Boykiller
  • Braveheart
  • Histeric

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