Westernhagen - Hottentottenmusik - Cover
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Westernhagen Hottentottenmusik


  • Label: Kunstflug/Sony Music
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein herrlich knackiges Live-Werk, mit dem sich Westernhagen auch bei seinen alten Fans hören lassen kann.

Ein Händchen für coole Albumtitel hatte Marius Müller-Westernhagen schon immer. Angefangen Mitte der 70er Jahre mit seinem Debüt „Das erste Mal“ (1975), über „Mit Pfefferminz Bin Ich Dein Prinz“ (1978) und „Stinker“ (1981) bis hin zu „Affentheater“ (1994) und „In Den Wahnsinn“ (2002). In Sachen plakativer Texte und Titel konnte dem heute 62-Jährigen nie jemand etwas vormachen. Anders verhielt es sich was Sympathiewerte und Publikumstreue anbelangt. Hier hat Westernhagens großer Widersacher Herbert Grönemeyer deutlich die Nase vorne, was sich letztendlich auch in den stabil hohen Verkaufszahlen der Grönemeyer-Alben und Tourneen zeigt.

Was das Kommerzielle anbetrifft, muss Westernhagen seit geraumer Zeit kämpfen. Seine letzten drei Studioalben seit dem Jahr 2002 verkauften zusammen in etwa so viele Einheiten wie Grönemeyers aktuelles Werk „Schiffsverkehr“ (03/2011) in einem halben Jahr. Das in Eigenregie vermarktete Comebackalbum „Williamsburg“ (2009) war zudem das erste seit „Halleluja“ (1989), das nicht auf Platz eins der Media Control Charts kam. Auch die dazugehörige Stadiontour im Jahr 2010 verlief unter anderem aufgrund horrender Eintrittspreise schleppend, bot aber genügend Anlass, um daraus ein Live-Album zu basteln, das unter dem augenzwinkernden Titel „Hottentottenmusik“ erscheint.

Als „Hottentottenmusik“ verunglimpften ältere Generationen gerne die aufkeimende Beat-, Blues- und Rockmusik der 60er Jahre, gespielt von langhaarigen Bombenlegern, die besser unter Polizeiaufsicht als auf eine Bühne oder ins Fernsehen gehörten. Für die Jugendlichen dieser Zeit war aber genau dies der entscheidende Zündfunke, um aus dem von den Eltern vorgegebenen Verhaltenskorsett auszubrechen. Auch ein Marius Müller-Westernhagen wurde früh von der Rock- und Bluesmusik infiziert (wie auch im autobiographischen Track „Mit 18“ nachzuhören ist) und erfüllte sich jetzt mit der „Williamsburg“-Tour und dem „Hottentottenmusik“-Album einen späten Traum.

Zusammen mit seiner Band – Brad „Buck Wild“ Rice (Gitarre), John Conte (Bass), Aaron Comess (Drums), Kevin Bents (Piano), Frank Mead (Saxophon), Alan Clark (Orgel) sowie Ron Jackson und Della Miles (Background Vocals) – tauchte er viele seiner Songs noch intensiver in bluesige Gewänder, wofür stellvertretend die herrlich schmutzige Version von „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ steht. Aber auch die starken Umsetzungen der „In Den Wahnsinn“-Songs „Lichterloh“ und „Nureyev“ tragen dazu bei, dass „Hottentottenmusik“ ein herrlich knackiges Live-Werk geworden ist, mit dem sich Westernhagen sicher auch bei seinen alten Fans hören lassen kann – auch wenn Evergreens wie „Freiheit“ (zum Glück!) in der Setlist fehlen.

Anspieltipps:

  • Jesus
  • Mit 18
  • Nureyev
  • Nur ein Traum
  • Schweigen ist feige
  • Wir haben die Schnauze voll

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