Iced Earth - Dystopia - Cover
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Iced Earth Dystopia


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Angekündigt als das „wahrscheinlich heavieste und bedrohlichste Album der Bandgeschichte“ ist „Dystopia“ nach eingehendem Studium genau das Gegenteil.

Im Zuge der Veröffentlichung von „Dystopia“ müssen sich Fans mit zwei Dingen anfreunden: Zuerst einmal wird Publikumsliebling und Sänger Matthew Barlow wohl nun endgültig nach seiner Arbeit an „The Crucible Of Man: Something Wicked Part II“ (09/2008) nicht mehr in den Schoß von Iced Earth zurückkehren und, was vermutlich ähnlich schwer trifft, Jon Schaffers Qualitäten als Songwriter sind mittlerweile nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Schon das medial aufgebauschte Konzept der „Something Wicked“-Reihe war eine Enttäuschung und selbst nach der ersten offiziellen DVD-Veröffentlichung „Festivals Of The Wicked“ (06/2011), die einige starke Momente hatte, wird man das Gefühl nicht los, dass die Sternstunden von Iced Earth bereits lange vorbei sind.

Angekündigt als das „wahrscheinlich heavieste und bedrohlichste Album der Bandgeschichte“ ist „Dystopia“ nach eingehendem Studium zudem genau das Gegenteil. Neuzugang Stuart Block, der nebenbei noch bei der empfehlenswerten Progressive Metal-Band Into Eternity sein Dasein fristet, ist zwar ein grandioser Lichtblick und meistert seine Galavorstellung mit Hingabe, doch gegen das starre Klanggebilde, das ihm Jon Schaffer gezimmert hat, kann selbst er teilweise nicht ansingen. Schon der vielversprechende Auftakt des Titeltracks, der mit mal druckvollen, mal hohen Gesangslinien und Doublebassbedienung für einen epischen Einstieg sorgen soll, entpuppt sich letztendlich als fade Techdemo, die lediglich die Möglichkeiten der aktuellen Iced Earth-Mannschaft zum Ausdruck bringt ohne wirkliche Emotionen hervorzurufen.

Dem allgemeinen Grundgedanken hinter „Dystopia“, ein musikalisches Statement zu düsteren Zukunftsvisionen wie „V wie Vendetta“, „1984“ oder „Blade Runner“ zu schaffen, wird mit dunkel-schleppenden Kompositionen wie „Anthem“ oder „V“ zwar Folge geleistet, die Endlosschleifen dieser Nummern tragen zur Atmosphäre allerdings genauso wenig bei wie das sture Geknüppel in „Boiling point“, das langatmige „Equilibrium“ oder die bemühten, aber unterm Strich zu halbherzigen Versuche mit „Dark city“ und „Tragedy and triumph“ zu Iron Maiden oder Judas Priest hochzuschauen. Hier verschenken Iced Earth viel Potential, das dafür in den hymnischen Großtaten „Anguish of youth“ und „End of innocence“ glänzen darf, wobei ausgerechnet diese beiden Kompositionen als gedrosselte Halbballaden zu verstehen sind, die dem Konzept bedrohlich und heavy zu sein gehörig in die Eier treten. Den Hörer dürfte dies indes weniger stören, da mit dem kompakten Wutbrocken „Days of rage“ nur mehr ein Track auf „Dystopia“ übrig bleibt, der dazu veranlasst die Lautstärke der Anlage nach rechts zu drehen.

Ach, wie gerne hätten wir uns auf eine Zeitreise begeben und mit dem neuen Iced Earth-Output in den Anfangstagen geschwelgt als Jon Schaffer sein glorreiches Schiff mit „Night Of The Stormrider“ (11/1991) noch zu ungeahnten Höhen treiben konnte. Mittlerweile ist nicht nur der Rumpf beschädigt und die Farbe blättert ab, sondern auch der Fahnenmast wird nur mehr hilfsbedürftig zusammen gehalten. Mit Stuart Block könnte die Power Metal-Truppe zwar frischen Fahrtwind bekommen, ohne das passende Fundament dürfte es sich dabei aber nur mehr um eine Frage der Zeit handeln, bis der Kahn in den tosenden Fluten untergeht.

Anspieltipps:

  • Days Of Rage
  • End Of Innocence
  • Anguish Of Youth

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