Nickelback - Here And Now - Cover
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Nickelback Here And Now


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 40 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das mittlerweile 7. Studioalbum der eierlegenden Wollmilchsau aus Kanada.

Tja, so kann man sich irren! Behauptete der ehrenwerte Verfasser dieser Zeilen im Zuge der Veröffentlichung des Theory Of A Deadman-Albums „The Truth Is“ (07/2011), dass sich selbst Fönfrisur Kroeger für einen derartigen Schni-Schna-Schnappi-Text wie in „Out of my head“ schämen würde, wird er mit der Singleauskoppelung „When we stand together“ prompt eines Besseren belehrt. Schön, dann haben Nickelback eben nicht nur ihre eigene Halten-wir-alle-zusammen-und-sind-friedlich-Nummer, sondern empfehlen sich damit auch vorzüglich für die Hintergrundmusik in diversen Spendenaufrufen. Immerhin ist ja bald Weihnachten.

Damit ist aber noch lange nicht das einzige Ärgernis auf „Here And Now“, dem mittlerweile siebte Studioalbum der eierlegenden Wollmilchsau Nickelback (27 Mal Platin für die letzten fünf Alben allein ihrem Heimatland), abgehakt, denn offenbar sind Chad Kroeger (Gesang, Gitarre), Ryan Peake (Gitarre), Mike Kroeger (Bass) und Daniel Adair (Schlagzeug) mit dieser Platte an einem Punkt angelangt, wo Innovation und Ideenreichtum von der Aussicht auf das schnelle Geld durch die ewig gleichen Strukturen und Schemata im Keim erstickt werden. Die kommerziell ertragreichen Eckpfeiler Sex („Midnight queen“, „Gotta get me some“, „Everything I wanna do“), Drugs („Kiss it goodbye“) and Pathos („Lullaby“, „Trying not to love you“) werden 2011 zudem in einer Penetranz dargeboten, dass der räudige Charme des Erstlingswerks „Curb“ (05/1996) oder die ansprechende Melodieseligkeit der vorangegangenen Alben, welche sich nur allzu gerne mit mit den hart rockenden Arrangements der Truppe paarte, mit der Lupe gesucht werden muss.

„Here And Now“ beschränkt sich in seiner Form nämlich nicht nur was den Text betrifft in altbackenen oder mitunter etwas zu offensichtlichen Bahnen („She gotta lick my pistol clean“ aus „Midnight queen“ ist nur eine von mehreren eindeutig eindeutigen Zeilen), sondern bewegt sich auch musikalisch auf verdammt dünnem Eis. Wo z.B. „All The Right Reasons“ (09/2005) beinahe im Dauerfeuer die Bassdrum bediente und die Gitarren jaulen ließ, bekommen wir es dieses Mal mit dezentem Stampfrock („Gotta get me some“, „Kiss it goodbye“), an kurzer Leine gehaltenen Alternative-Gebärden („Bottoms up“, „Everything I wanna do“) und selten wirklich fetzigen Kompositionen („This means war“, „Midnight queen“) zu tun. Das rührselige Steckenpferd namens „Ballade“ darf natürlich auch nicht fehlen und mit Klavierunterstützung („Lullaby“) und Akustikgitarre („Trying not to love you“) bewegen sich Nickelback dieses Jahr auf einem noch höheren Schmalzfaktor als vor drei Jahren und stecken mit „Holding on to heaven“ und „Don´t ever let it end“ gleich zwei Stücke aus der Abteilung „Einheitsbrei“ zum ausgelassenen Feuerzeugschwenken mit dazu.

„Here And Now“ ist eine handfeste Enttäuschung, soviel ist sicher. Der Longplayer vermisst augenzwinkernde Geschichten, die in knalligen Hardrock verpackt sind und einem den ganzen Tag nicht aus dem Kopf gehen wollen. Kroeger & Co. präsentieren stattdessen aufgewärmte Standardkost, die besser und spannender den Vorgängern entnommen werden kann. Die Zeit, als Nickelback für eine ausgelassene Feier mit bis zum Anschlag aufgedrehten Boxen standen, ist scheinbar vorbei. „Here And Now“ verursacht bei selber Anwendung nämlich maximal Kopfschmerzen.

Anspieltipps:

  • Midnight Queen
  • This Means War

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