Leona Lewis - Glassheart - Cover
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Leona Lewis Glassheart


  • Label: Syco/Sony Music
  • Laufzeit: 70 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Leona Lewis schlägt mit „Glasshart“ neue Pfade ein.

Daran, dass Leona Lewis ihren Durchbruch dem Gewinn der Castingshow X Factor im Jahr 2006 zu verdanken hat, denkt heute kaum noch jemand. Stattdessen haben Hörer wie Kritiker ihre großen Hits im Ohr, die mit Balladen wie „Run“ oder „Bleeding Love“ eine gewisse Präsenz in der Musikszene erreicht haben. Ihre Stimme ist unverkennbar und hat Divenqualität, wie man sie von Größen wie Christina Aguilera oder Beyoncé gewohnt ist. Die Entstehungsgeschichte ihres neuen Silberlings „Glassheart“ ist dagegen etwas komplexer. Bereits seit dem Ende ihrer Labyrinth-Tour 2010 arbeitete sie gemeinsam mit diversen Produzenten an den Songs und kündigte einen ersten Erscheinungstermin für November 2011 an. Immer wieder verschob die Künstlerin das Veröffentlichungsdatum, zunächst auf Anfang 2012. In ihrer Heimat Großbritannien erschien er dann im Oktober 2012 und nun ist es auch an der Zeit für die deutschen Ladentische.

Dass sich musikalisch bei der Sängerin so einiges getan hat, wird schon in den ersten Tracks ihres neuen Albums deutlich. Nach wie vor ist es Leonas markante Stimme, die die Lieder - egal ob flotter oder balladesk - dominiert. Neu sind allerdings Dubstep- und Electro-Einflüsse, die mehr und mehr die Melodien vertreiben und die Untermalung der Songs übernehmen. Was sich zunächst noch unterschwellig aufbaut, dominiert spätestens in „Lovebird“ deutlich. In „Come Alive“ übernehmen die Beats endgültig die Überhand und lassen damit auch die Gesangslinien in den Hintergrund fallen. Ein Dance-Hit mag damit zwar geglückt sein, denn die Beats sind durchaus abwechslungsreich und frisch, doch für jene, die auf vertrauten Leona Lewis-Sound gewartet haben, wird der Track zu einem kleinen Höhepunkt der Enttäuschung werden. Selbst in der ersten tragenden Ballade des Silberlings, „Fireflies“, bleiben Beats nicht aus und das vertraute Ohrwurmgefühl bleibt einfach aus. So geben sich Dance-Nummern und Balladen weiter die Hand und schaffen kaum mehr als ein durchschnittliches Album in der Masse der Künstlerinnen, die zugunsten moderner Trends ihre Stimme zurückgeschraubt haben und damit eine mittlere Bauchlandung vollführen. Wirkliche Highlights bleiben leider aus, zurück bleibt das Gefühl eines soliden und tanzbaren Albums und damit einer ganz neuen Richtung für Leona Lewis. Der stark von TripHop-Elementen beeinflusste Closer „Trouble featuring Childish Gambino“ bestätigt dieses Bild ein letztes Mal.

Mit CD 2 zieht die Sängerin dagegen durch die Akustikversionen der Tracks zurück auf gewohnten Boden. Mit den schlichten Arrangements der Lieder rückt das Gesangstalent der Künstlerin wieder in den Vordergrund und beweist, dass sie ihre Stimmgewalt nicht verloren hat. Zwar überzeugt sie so stimmlich deutlich mehr, wo kein Ohrwurm in der Melodie liegt, kommt dieser allerdings auch in akustischer Form nur selten zum Vorschein. Das Counting Crows-Cover „Colorblind“ braucht bis weit nach der ersten Strophe, um sich völlig zu entfalten und trägt damit leider auch nicht zu den Glanzpunkten der Silberlinge bei. Mit „Sugar“ und dem Remix von „Collide“ werden schließlich nochmals zwei starke Clubhits nachgelegt, die auch die zweite CD mit dem Gefühl der ersten abschließen.

So bleiben rückblickend deutlich gemischte Gefühle bezüglich dieses neuen Albums. Auf der einen Seite bestätigt sich Leona Lewis als starke und talentierte Sängerin, die durchaus ein Gefühl für die Trends des Musikmarkts beweist, auf dem Dubstep, Electro und TripHop prägnante Komponenten geworden sind. Vor allem in der Clubszene ist mit dem entsprechenden Erfolg der Songs zu rechnen, die nötige Radiotauglichkeit dabei ist allerdings eher fragwürdig. Auf der anderen Seite spricht die Tatsache, dass es der Longplayer in ihrer Heimat im Gegensatz zu den beiden Vorgängern nicht auf Platz 1 geschafft hat, deutlich für sich. Es fehlt trotz allen Wiedererkennungswertes ihrer Stimmfarbe einfach an dem nötigen Ohrwurmpotential und damit an großen Hits. Schade.

Anspieltipps:

  • Trouble
  • Fireflies
  • Favourite Scar
  • Come Alive (Acoustic)

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