Nightwish - Imaginaerum - Cover
Große Ansicht

Nightwish Imaginaerum


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 74 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Jeder Titel ist schlichtweg harmonisch, das gesamte Album glänzt in absolutem Facettenreichtum.

Wenn man eines über Nightwish-Mastermind Tuomas weiß, dann ist es die Tatsache, dass er ein absoluter Träumer ist. Ein Träumer mit großen Visionen und dem Wunsch irgendwann einmal einen Filmsoundtrack schreiben zu dürfen. Ein Träumer, der einmal die Songs eines ganzen Albums mit Videoclips unterlegen wollte. Ein Träumer, der gemeinsam mit Stobe Harju (Regisseur, bereits für das Musikvideo zu „The Islander“ verantwortlich ist) diese Träume nun zu etwas ganz eigenem geformt hat und vor allem Wirklichkeit hat werden lassen. „Imaginaerum“ heißt das kleine Kunstwerk, das nicht nur das neue Album der Band darstellt, sondern vor allem all diese Träume vereint. Es ist ein Soundtrack zu einem Film und doch ein kleines Kunstwerk für sich. Es klingt frisch und anders und trotzdem weiß man schon im Intro, dass diese Musik nur von Nightwish kommen kann.

Die Veröffentlichung selbst wurde mit großem Spektakel angekündigt. Die offizielle Webseite wurde gefüllt mit Tagebucheinträgen der Band und auch von Stobe Harju, die die Fans Einblick in den Stand der Dinge bekommen ließen. Auch der offizielle Youtube-Channel der Band lässt mit zahlreichen Videos hinter die Kulissen sowohl im Studio wie auch bei den Dreharbeiten blicken. Der Film ist bereits im Kasten und die Begeisterung aller lässt auf Großes hoffen. Natürlich ist die Band selbst in die Geschichte des Films verwoben, jeder von ihnen spielt eine Rolle, wenn auch sich die Namen stark mit ihren Richtigen ähneln. Die Geschichte selbst handelt von einem Musiker und Songwriter Tom, der im Alter an Demenz erkrankt und in die Traumwelt seiner Kindheit entschwindet. All seine Erinnerungen an seine Musik, seine Band und seine Tochter scheinen verloren, er ist in seinen Gedanken wieder der zehnjährige Junge, der er damals war, als er ins Koma fällt. Doch nicht nur Toms Erlebnisse in seiner Traumwelt prägen den Film. Seine Tochter Gem kämpft gleichzeitig in der wirklichen Welt um ihren Vater, wandelt auf den Pfaden seiner Erinnerungen und versucht das Band, das sie einst verband wiederherzustellen.

Bereits seit 11. November können Neugierige einen ersten Vorgeschmack gewinnen, die erste Singleauskopplung „Storytime“ wurde samt Videoclip veröffentlicht. Im Making Of sagt Tuomas, dass ihn der Animations-Film „The Snowman“ (1982) zu diesem Song inspiriert hat, im Besonderen die Szene in der man „Walking in the Air“ hören kann. Sie sei ein guter Ausblick auf das, was mit dem Album kommen würde und man kann ihm mit dieser Aussage wirklich nur Recht geben. Bereits die Single zeigt die Stärke der Kompositionen, die Vielschichtigkeit der Musik und die Liebe zum Detail. Im Making Of verrät die Band außerdem, dass viele Songs mit nur einem Take aufgenommen wurden oder es sogar in ihrer ursprünglichen Demoversion aufs Album geschafft haben.

Beinahe unglaublich, wenn man sich die Lieder genauer anhört, denn bei keinem hat man das Gefühl dass noch etwas fehlt. Jeder Titel ist schlichtweg harmonisch, das gesamte Album glänzt in absolutem Facettenreichtum, an nichts wird gespart. Starke Rocknummern, sanfte Balladen. Anettes Stimme, die sich nicht nur in gewohntem Spielraum des letzten Albums zeigt, sondern mal tief („Slow, Love, Slow“), mal rotzig-rau („Scaretale“) von einer ganz neuen Seite präsentiert. Auch Gitarrist Marco kommt bei den Vocals nicht zu kurz und beweist einmal mehr, dass die Band sich auch auf einen starken Sänger verlassen kann („I Want My Tears Back“, „Scaretale“). Nichts desto trotz hat man das Gefühl, dass der Gesang mehr mit dem Gesamtwerk verschmilzt, keine tragende Rolle mehr spielt sondern nur Teilkomponente eines großen Ganzen ist. Es wird eindeutig auf komplexe Arrangements gesetzt, die vor allem ganz dem Motivs der Traumreise und Konfrontation mit vielen Ängsten starke Emotionen transportieren, mal Gänsehaut schaffen, mal ein wenig gruseln oder schlicht ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Die Liebe zum Detail ist es, die jeden Song zu etwas ganz besonderem macht. Ganz egal ob Kinderchor („Rest Calm“), großes Orchesterarrangement („Scaretale“, „Arabesque“), Streicher („I Want My Tears Back“) oder erstaunlich schlichtes und stark auf Gesang ausgerichtetes Arrangement („Turn Loose The Mermaids“, „The Crow, The Owl And The Dove“) und natürlich eindrucksvolle Gitarrenriffs („Storytime“, „Last Ride Of The Day“) - jeder Titel glänzt mit Einzigartigkeit, Abwechslungsreichtum und doch verliert man keine Sekunde das Gefühl des roten Fadens, des großen Ganzen. Nightwish haben sich mit diesem Konzept selbst übertroffen!

Anspieltipps:

  • Storytime
  • Slow, Love, Slow
  • I Want My Tears Back

Neue Kritiken im Genre „Symphonic Metal“
6.5/10

Where I Reign: The Very Best Of The Noise Years 1995-2003
  • 2016    
Diskutiere über „Nightwish“
comments powered by Disqus