As I Lay Dying - Decas - Cover
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As I Lay Dying Decas


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 38 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
3.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn sich eine Band selbst feiert, dann kommt selten etwas Sinnvolles dabei heraus, denn entweder werden mutig lang gehegte Fanwünsche erfüllt, die sich dann als Rohrkrepierer entpuppen oder öde Neuaufnahmen getätigt, welche den breiten Umfang des Acts untermauern sollen, aber unterm Strich handzahm und unausgegoren aus den Lautsprechern poltern und über vertraglich festgelegte Best Of-Zusammenstellungen wollen wir in diesem Atemzug ohnehin lieber den Mantel des Schweigens breiten. Nichtsdestotrotz haben As I Lay Dying zu ihrem zehnjährigen Jubiläum einen äußerst fragwürdigen Cocktail aus all diesen Zutaten gemischt.

3 neue Stücke, 4 Coverversionen und 5 Remixe versammelt das Potpourri namens „Decas“, das mit dem wohl hässlichsten Albumcover in der ganzen Bandgeschichte aufwartet. Da kann die Front der normal im Handel erhältlichen Fassung noch so glänzen und schimmern, einfallsreich oder gar ansehlich ist das nicht. Zum Glück leben wir aber im 21. Jahrhundert, wo man bequem den Albuminhalt auf seinen Mp3-Player ziehen und die Hülle neben der restlichen Diskographie ins Regal räumen kann. Es könnte einem ja vielleicht schlecht werden. Doch kommen wir zu weitaus Wichtigerem: Dem Inhalt.

Hier bietet sich ein Spektakel, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Allein die drei exklusiven Nummern offenbaren qualitative Unterschiede, bei denen man sich fragt, ob man es hier noch mit den gleichen As I Lay Dying zu tun hat, die es mit dem letztjährigen „The Powerless Rise“ (05/2010) geschafft haben eine sonische Lawine über den Hörer herinbrechen zu lassen, sodass dieser nur in ausreichender Schutzkleidung die Play-Taste drücken durfte. „Paralyzed“ ist nämlich nicht mehr als ein durchschnittliches Metalcore-Druckmittel Marke Reißbrett, während „From shapeless to breakable“ wenigstens unbeirrt nach vorne prescht und eine halbwegs gute Figur macht. Dafür ist „Moving forward“ definitiv im falschen Film und fristet als langweiliger Atreyu-Klon sein bemitleidenswertes Dasein.

Mit den Coverversionen verhält es sich ähnlich. Das Judas Priest-Doppelpack „Hellion“ (Instrumental) und „Electric eye“ strömt frisch und knackig durch den Äther, doch Slayers „War ensemble“ mangelt es an Arayas Hysterie, obwohl die zappelige Doublebass ordentlich Druck macht und vor allem die bratenden Gitarren ein gelungenes Pendant zu Hanneman und King darstellen, und über die 40 Sekunden lange Descendents-Neueinspielung „Coffee mug“ kann man aufgrund der Länge, pardon, Kürze ohnehin nicht viel sagen. Bevor allerdings der Remix-Floor seine Pforten öffnet, gibt es mit „Beneath the encasing“ immerhin eine nette Collage aus Tracks des ersten As I Lay Dying-Werkes „Beneath The Encasing Of Ashes“ (06/2001).

An dieser Stelle eine Warnung: Die restlichen, vier verbleibenden Nummern sind anders als alle Tracks davor und damit garantiert nicht jedermanns Geschmack. Mit Metal hat die schnarchige Dubstep-Variante „The blinding of false light“ sowieso nichts mehr am Hut und ist natürlich dem Zeitgeist geschuldet, doch wer den abgehackten Electro-Samplewut-Loop-Avantgarde-WTF-Remix von „Wrath upon ourselves“ hören soll, ist genauso schleierhaft wie die Tatsache, dass ein fehl geleitetes Beatgewitter („Confined“) und die Fatboy Slim meets Skrillex-Fusion in „Elegy“ zum Abgewöhnen ist. Werte As I Lay Dying-Fans! Dieses Album bitte nicht als Einstimmung für die anstehenden Jubiläumskonzerte sehen. Die Lust nach Tim Lambesis & Co. könnte euch schneller vergehen als euch lieb ist.

Anspieltipps:

  • Electric Eye
  • War Ensemble
  • From Shapeless To Breakable

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